Freitag, 29. Juni 2007

Das Hybridauto ...

... scheint toll zu sein. (Robert Misik)

Altruismus ist uns angeboren, nicht anerzogen

Kinder und Schimpansen haben einen ganz natürlichen Antrieb, anderen zu helfen - auch ohne, daß sie durch Erziehung darauf konditioniert werden müssen. (Netzzeitung) Jeder, der Kinder hat, weiß, daß Kinder oft viel mehr selbstlose Empathie und Hilfsbereitschaft aufweisen als Erwachsene. Aber die Wissenschaft will und muß sich natürlich auch über alles rein "intuivitve Wissen" vergewissern - auch deshalb (oder vielleicht gerade deshalb), damit Ideologen keinen Quatsch erzählen.

«Wir wollten herausfinden, ob Schimpansen und Kleinkinder helfen, um dafür eine sofortige Belohnung zu erhalten, oder ob sie helfen, weil die andere Person ein Problem hat», sagte Projektleiter Felix Warneken vom Leipziger Max Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie.

In der ersten Aufgabe sah der Schimpanse zu, wie eine unbekannte Person sich vergeblich bemüht, nach einem Stock zu greifen. Der Stock war außerhalb der Reichweite des Menschen, befand sich aber in Reichweite des Schimpansen. Nach seinen verzweifelten Versuchen nahm der Mensch Blickkontakt mit den Affen auf. 12 von 18 Schimpansen hoben den Stock daraufhin auf und reichten ihn weiter, obwohl sie keine Belohnung dafür erhielten. Auch 16 von 18 Kindern halfen selbstlos der Person, indem sie ihr den Gegenstand gaben. (...)

In der zweiten Versuchsanordnung wollten die Forscher herausfinden, wie viel Mühe Schimpansen und Kleinkinder auf sich nehmen, um zu helfen. Die Schimpansen mussten dazu eine zweieinhalb Meter hohe Rampe hinaufklettern, um den Stock reichen zu können, die Kinder einen Hindernisparcours durchlaufen. Trotz der großen Anstrengungen halfen mehr als die Hälfte der Schimpansen und Kinder gleichermaßen, ohne dafür belohnt zu werden. (...)

Das Forscherteam sieht damit den Beweis erbracht, dass unsere nahen Verwandten auch altruistisch handeln und bereits Kleinkinder dies tun. «Hilfsbereitschaft hat ihren Ursprung also nicht allein in Kultur und Erziehung. Wir sollten uns von der Idee verabschieden, dass wir als Egoisten auf die Welt kommen und allein durch Kultur und Erziehung zu hilfsbereiten Wesen heranwachsen», sagte Forschungsleiter Warneken.

Feministische Steinzeit

Macht die Männer nicht zu Frauen und die Frauen nicht zu Männern - weder im Kindergarten noch sonstwo. Diese Forderung findet langsam, ganz, ganz langsam auch im postfeministischen Zeitalter Anerkennung. Vor einigen Monaten wurde der greise Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt von Reportern, als es um psychische Geschlechtsunterschiede ging, ganz ungläubig - eigentlich naiv - gefragt: Ist die Natur wirklich so stark? (siehe St. gen.) Und auch in der "Zeit" stellt man sich immer noch ganz naiv, ungläubig diese Frage:

... In diesem Einfamilienhaus herrscht das typische Milieu der Reflektierten und ökonomisch Bessergestellten, der Political Correctness und des postfeministischen Diskurses. (Zeit) Und dennoch spielen in diesem Haus Zwillingsgeschwister - ein Junge und ein Mädchen: der Junge mit Jungen-Spielzeug und das Mädchen mit Mädchen-Spielzeug. Genauso in Kindergärten, so die "Zeit":

... »Wenn wir groß sind, heirate ich dich. Ich verdiene Geld, und du kochst.« So kräht ein Vierjähriger, dessen Eltern erstens unverheiratet und zweitens beide berufstätig sind. Und drittens: Wenn einer kocht, dann der Vater. Woher hat der Junge das?

Woher hat der Junge das?

Während eine Frau ganz selbstverständlich Bundeskanzlerin ist und der »Neue Mann« in Ehren ergraut, herrscht beim Nachwuchs emanzipatorische Steinzeit.

Offenbar reichen das gute Vorbild und der bewusste Verzicht auf stereotype Manipulation nicht aus – im Gegenteil, die Kleinen scheinen den Eltern demonstrieren zu wollen: Schaut her, so geht das! Doch wieso schlagen so zuverlässig die herkömmlichen Rollenmuster wieder durch? Auch selbstbewusste Frauen und selbstkritische Männer ertappen sich angesichts solcher Rückfälle ins Rollenspiel der Fünfziger bei Mutmaßungen über die biologische Verankerung von Macho- und Prinzessinnenrolle. Sind die Geschlechtsrollenklischees also doch angeboren? Waren sie einst ein evolutionärer Vorteil? (...)

Kinder zeigen den Ideologen: Schaut her, so geht das!

Für einen durchschnittlich ausgebildeten Biologen von heute eine völlig naive Frage. Völlig naiv. Es ist wirklich rätselhaft, wie solche naiven Fragen in renommierten Wochenzeitungen heute eigentlich überhaupt noch gestellt werden können, da sie schon lange schlüssig beantwortet sind. Die Frage lautet schlicht nur noch: Wollen wir weiter auf Ideologie machen oder endlich die moderne Forschung zur Kenntnis nehmen? Ja, die Erkenntnis setzt sich - offenbar - durch:

»Wer Identitäten zerstört, zerstört Menschen«, so der Bremer Sozialwissenschaftler Gerhard Amendt. (...)

Geschlechtsrollen werden in diesem Alter (von Kindern zwischen drei und sechs Jahren) als so gültig wie Naturgesetze oder moralische Prinzipien empfunden.

"Ein erschütterndes Dokument des Scheiterns"

Anfang der achtziger Jahre hat die Feministin Marianne Grabrucker dann sehr bewusst und mit dem Protokollblock in der Hand den Versuch unternommen, ihre kleine Tochter wirklich frei und geschlechtsneutral zu erziehen. Das Kind sollte auf gar keinen Fall »auf die Mädchenrolle zugerichtet« werden, stattdessen »die Neue Frau schlechthin« werden. Marianne Grabruckers Tagebuch (Typisch Mädchen… Prägung in den ersten drei Lebensjahren) ist als erschütterndes Dokument des Scheiterns zu lesen. Bei aller Mühe und Selbstkontrolle, heraus kam am Ende das Schlimmste: »mädchenhaftes Verhalten«.

Dabei hatte die Mutter wirklich aufgepasst. Sie hatte bei Substantiven sogar die weibliche Form bevorzugt (wenngleich ihr einmal das Wort »Lokomotivführerin« nicht über die Lippen kam, was sie sehr deprimierte). Kleine Erfolge hatten sich auch eingestellt: Als die Zweijährige einmal zauberte, benutzte sie die Worte »Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarze Katerin«. Und doch scheiterte das Projekt. (...)

Man kommt sich vor, als wäre man in gespensterhafte Debatten involviert. In Debatten einer "emanzipatorischen Steinzeit"? Nein: in Debatten einer feministischen Steinzeit ...

Asiaten achten mehr auf Kontext

Was ist interessanter: Hund, Gans oder Katze vorne – oder doch die Laube dahinter? Der Hund und die Katze natürlich! Und die Gans. Aber nein: Der Hintergrund scheint für einige Asiaten spannender zu sein. (Gesundheitpro)

Frühere Untersuchungen über Augenbewegungen hatten schon ergeben, dass Ostasiaten dem Hintergrund eines Bildes mehr Aufmerksamkeit schenken als Abendländer. Denise Park zufolge zeigen die aktuellen Erkenntnisse aus ihrer Studie, zusammen mit früheren, bei denen sie Gehirnaktivitäten älterer Probanden aufgezeichnet hatte, jedoch erstmalig, „wie Kultur das Gehirn formt.“

Allerdings gibt es auch Experten, die dem entgegenhalten, dass es noch eine ganze Reihe anderer Faktoren neben den kulturellen Einflüssen gibt, die diese Unterschiede erklären könnten.

So endet der Artikel. War zum Schluß von genetischen Faktoren die Rede? Auf jeden Fall hatten andere Studien schon gezeigt, daß die Muttersprache sehr stark die Wahrnehmung (und wahrscheinlich auch die emotionalen Reaktionen auf Umweltreize) konfiguriert.

ADHS durch Passiv-Rauchen von Müttern verursacht

"Passivrauchen der Mutter führt zu Verhaltensproblemen beim Kind," so titelt "Spektrum der Wissenschaft" und schreibt weiter: "Kinder zeigen deutlich mehr psychologische Auffälligkeiten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Zigarettenrauch ausgesetzt waren." (Spektrum) Und bei Gesundheitpro.de erfahren wir:

Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft passivrauchten, zeigen mehr ernsthafte psychologische Probleme als Kinder von Frauen, die keinem Zigarettenrauch ausgesetzt waren, berichten Forscher der University of Washington in Child Psychiatry and Human Development. Studienleiter Lisa Gatzke-Kopp und Theodore Beauchaine bringen damit erstmals Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und dem Passivrauchen.

Untersucht wurden sieben- bis 15-Jährige Kinder und Jugendliche, die alle Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Bei einer Gruppe waren die Mütter in der Schwangerschaft Zigarettenrauch ausgesetzt, bei der anderen Gruppe nicht. In einer dritten Gruppe rauchten die Mütter in den letzten beiden Schwangerschaftstrimestern selbst. Insgesamt wurden 171 Kinder von 133 Müttern untersucht, vor allem Jungen.

Die Kinder, die durch ihre Mütter dem Rauchen ausgesetzt waren, hatten mehr Symptome eines ADHS als Kinder von rauchfreien Müttern. Verantwortlich dafür könnten Auswirkungen des Nikotins auf Belohnungszentren im Gehirn sein. Der Botenstoff Dopamin soll dabei eine Rolle spielen.

Die Forscher appellieren an Schwangere, nicht nur selbst nicht zu rauchen, sondern auch das ungewollte Passivrauchen zu verhindern.

Habe ich ADHS? Meine Mutter hat tatsächlich in der Zeit, in der sie mit mir schwanger war, in einem Büro gearbeitet, in dem rücksichtslos stark geraucht wurde. Auf jeden Fall wird deutlich, daß Verhaltensstörungen wie ADHS wahrscheinlich durch ein Ursachenbündel zustandekommen, wie schon in einem gestrigen Beitrag vermutet.

Auch das Erbgut des Kindes wird dauerhaft durch Rauchen geschädigt - sowohl durch das Rauchen des Vaters wie der Mutter. (Gesundheitpro.de)

Donnerstag, 28. Juni 2007

Die Kinderkrippen, die es gibt (in den USA) sind schlecht für Kinder

- und von den Kinderkrippen, die es gar nicht gibt, über die weiß die Wissenschaft - natürlich - nichts.

Das heißt: Die Familienpolitik will ein großangelegtes wissenschaftliches Experiment durchführen, um zu beweisen, daß bessere Krippen als jene, die es heute durchschnittlich in den USA gibt, den Kindern nicht schaden.

Wäre es nicht vernünftiger, solche Experimente zunächst mit Mäusen und Ratten durchzuführen? Nachdem das erste Experiment in den USA schon mißglückt ist?

Diese neue Familienpolitik sagt: Über Kinderkrippen "per se" (also Wolkenguckucksheim-Kinderkrippen) würden moderne kinderpsychologsiche Untersuchungen (NICHD-Studie) nichts aussagen, sondern sie würden nur etwas aussagen über die schlechten Kinderkrippen, die es heute in den USA gibt.

So verteidigt ein aktueller Artikel die Krippenpolitik (Weltwoche). Und er macht weiterhin etwas für mich deutlich, was heute in vielen Zusammenhängen nicht genügend berücksichtigt wird. Vielleicht lassen sich aber bald Parallelen zum Bienensterben herstellen: Derzeitiger Stand ist, daß kein einziger Faktor allein für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden kann - und dennoch sterben die Bienenvölker unerklärlicherweise. Und die Forscher tendieren immer mehr dazu, eine Aufschaukelung von verschiedenen ungünstigen Faktoren (Streßfaktoren) anzunehmen. Mir scheint nichts naheliegender als das in unserer modernen Welt, in der sich so viel gleichzeitig verändert.

Kein einziger Faktor allein

Und ganz eindeutig muß man so auch argumentieren, was Krippenbetreuung betrifft. Krippenbetreuung allein muß sich in 20 Jahren bei den Herangewachsenen nicht auffällig als Streßfaktor zeigen im Vergleich mit jenen Herangewachsenen, die keine Krippenbetreuung erlebten. (Allerdings liegen offenbar noch keine detaillierteren Studien über die auffällige Häufigkeit von ADHS bei Kindern in den neuen Bundesländern vor und einem etwaigen Zusammenhang mit Krippen-Erfahrung.) Wenn es aber insgesamt mit jeder neuen Jugendgeneration eine Steigerung der Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten gibt, dann wird das eben doch auch etwas mit der Krippenbetreuung als einem von vielen ungünstigen Faktoren zu tun haben, die sich alle gegenseitig aufschaukeln.

Und exakt so argumentiert eigentlich auch der verteidigende Artikel:

Je schlechter eine Mutter mit ihrem Kind umgeht, desto höher ist das Risiko, dass ihm eine qualitativ schlechte Krippe schadet.

Also zu dem Streßfaktor Krippe wird noch ein weiterer Streßfaktor hinzugezählt, um zu einer Bewertung zu kommen. Das ist legitim. Aber wie kann man denn davon ausgehen, daß es künftig immer nur die allerbesten Mütter sein werden, die ihre Kinder in die Krippe bringen - und zudem immer in die allerbeste? Die Menschen werden nicht plötzlich dadurch alle Idealfiguren, weil das gerade in ein bestimmtes ideologisches Schema besonders gut hineinpassen würde. Nein, sie bleiben wie sie sind, sie werden nicht ganz plötzlich alle "Edelmenschen", "Edelmütter", "Supermütter".

Künftig sind plötzlich alle Mütter immer nur die allerbesten Mütter?

Weiter heißt es: Je «minderwertiger» eine Tagesstätte, desto eher legt das Kind Verhaltensprobleme an den Tag.

Ja gut. Aber das ist noch kein Beleg dafür, daß die allerbeste Tagesstätte nicht dennoch weiterhin eine Wahrscheinlichkeit für Verhaltensprobleme vergrößert. Und zwar signifikant. Wie man übrigens so eindeutige Ergebnisse wie die jüngsten der NICHD-Studie so uminterpretieren kann, wie es hier geschieht, das ist eher ein Fall von "Rabulistik". So argumentieren nicht unvoreingenommene Wissenschaftler, sondern Ideologen:

«Die NICHD-Studie sagt nicht, familienergänzende Kinderbetreuung sei schlecht», sagt die Psychologin Heidi Simoni vom Marie-Meierhofer-Institut in Zürich, «sondern sie belegt, dass es eine Rolle spielt, wie viel Zeit Kleinkinder in Krippen und wie viel sie mit den Eltern verbringen. Und dies ist als Resultat hochinteressant.»

Das halte ich für Rabulistik. Nein, so muß man formulieren: So wie in den USA im Durchschnitt Kinder fremd betreut werden, in der Weise ist familienergänzende Kinderbetreuung schlecht. Das sagt die NICHD-Studie. Und das ist ein klares Ergebnis. Über andere Formen familienergänzender Kinderbetreuung als der durchschnittlichen in den USA - mit anderer Zeitaufteilung etc. pp. - sagt die Studie schlichtweg nichts aus.

Ebenso dieses: «Die Resultate zeigen, dass Fremdbetreuung per se dem Kind nicht schadet», hielt Studienleiterin Andrea Karsh die Ergebnisse der Studie in einem Beitrag für die Schweizerische Ärztezeitung fest. Wie sich ein Kind entwickle, hänge nicht primär davon ab, wie gut oder wie schlecht die ausserhäusliche Betreuung sei.

Per se kann auch heißen: eine Minute Fremdbetreuung am Tag. "Per se"! Von per se kann hier einfach nicht die Rede sein, weil eine Studie nur konkret empirisch vorliegende Tatsachen untersuchen kann. Und nur diese können dann diskutiert werden. - Genug von diesem Artikel. Ein solches "Schönreden" von eindeutig festgestellten Tatsachen kennt man eigentlich eher aus Diktaturen denn aus freiheitlichen Gesellschaften.

Mein Expertenstab arbeitet Pläne zu einem Mauerbau aus und ich verkünde vor der Öffentlichkeit: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen." Die Experten sagen: Die durchschnittlich in den USA stattfindende Fremdbetreuung ist schlecht für Kinder. Und ich verkünde: Fremdbetreuung per se ist nicht schlecht für Kinder. Das "Wahrheitsministerium" von George Orwell. Krieg ist Frieden. Und Frieden ist Krieg.

"Ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, widerwärtiger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-bosha

Grins - die Tiraden von Dawkins wider Gott passen gar nicht in die Titelzeile, hier der Rest:
...boshafter Tyrann"

Ein Leser weist auf die Vorankündigung der Neuerscheinung von Richard Dawkins' "Gotteswahn" auf Deutsch im Ullstein-Verlag hin, die im September erscheinen soll. Auf der Verlagsseite heißt es:
Eine furiose Streitschrift wider die Religion.

»Religion ist irrational, fortschrittsfeindlich und zerstörerisch.« Richard Dawkins, einer der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart, zeigt, warum der Glaube an Gott einer vernünftigen Betrachtung nicht standhalten kann - brillant und bei aller Schärfe humorvoll.

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat nach 'Das egoistische Gen' erneut ein Buch geschrieben, das bestehende Weltbilder grundsätzlich in Frage stellt. In diesem leidenschaftlichen Plädoyer für die Vernunft zieht er gegen die Religion zu Felde: Der Glaube an eine übernatürliche Macht kann keine Grundlage für das Verständnis der Welt sein und schon gar keine Erklärung für ihre Entstehung. Wenn wir die Kritik an den Religionen zum Tabu erklären, laufen wir Gefahr, von Fundamentalisten jedweder Couleur dominiert zu werden. Der Glaube an ein göttliches Wesen ist vielfach die Ursache von Terror und Zerstörung, wie die Weltgeschichte von der Inquisition bis zu den Anschlägen auf die Twin Towers zeigt. Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema eindeutig und überzeugend Position bezieht.

Pressestimmen:

»Ich bin ein Gegner der Religion, denn sie bringt uns bei, dass wir uns damit zufrieden geben, die Welt nicht zu verstehen.«
Richard Dawkins

»Der Gott des Alten Testaments ist ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, widerwärtiger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.«
Richard Dawkins

»Kreationisten und Gottesgläubige halten Richard Dawkins zu Recht für ihren Erzfeind. In Der Gotteswahn zeigt er, was für ein beeindruckender Gegner er ist. Das Buch ist mutig und inspirierend.«
The Guardian

»Der Gotteswahn ist ein gutes und wichtiges Buch, denn Dawkins setzt seinen scharfen Verstand gegen eine lähmende political correctness ein, die einen Dialog über Religion, intellektuelle Verantwortung und Politik verhindert.«
San Francisco Chronicle

»Das ist ein Buch für das neue Jahrtausend, in dem unser Leben von der Herrschaft des Übernatürlichen befreit werden kann.«
Brian Eno

»Endlich hat einer der besten Sachbuchautoren unserer Zeit seine Thesen über die Religion versammelt.«
Steven Pinker

Kinderkrippen machen unglücklich, depressiv und ADHS-anfällig - und zwar EINDEUTIG

Dorothea Böhm vom Familiennetzwerk macht mich auf vier Studien zu der Schädlichkeit frühkindlicher Krippenbetreuung aufmerksam. Das übernehme ich hier glatt so, wie sie es mir schickt und füge noch Ergänzungen von meiner Seite aus ein:

Quellen und Links, die die Gefahr von verfrühter Gruppenfremdbetreuung belegen. Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen frühkindlichem Stress und AD(H)S.

viele Grüße :-) Doro

1. Fear in the blood. When mothers leave their toddler-age children in day care rather than care for them at home, they expose them to stress severe enough to adversely affect their body chemistry. The troubling biochemical effects of day care recently received attention from a team of child-development experts at the University of Minnesota, who worry that day-care stress in young children may translate into serious later psychological problems. Abstract hier.

Diesem Forschungsartikel in der weltweit führenden kinderpsychologischen Zeitschrift "Child Development" von 2003 entnehme ich (I.B.) noch folgende spannende Inhalte:

While “there was no change in cortisol over the day by age at home,” the researchers limn a pattern of rising cortisol levels over the day when these same children were in day care. “Among the infants (3-16 months), 35% showed a rise in cortisol across the child care day,” the researchers remark, “whereas among the toddlers (16-38 months), 71% showed a rise.”

Das ist ja hochinteressant. Kinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr reagieren auf Kinderkrippe stärker mit Streßhormonen als Kinder während des ersten Lebensjahres. Wahrscheinlich sind die Reaktionen während des ersten Lebensjahres noch diffiziler. (Beziehungsweise: Das Urvertrauen und die Bindung zu den primären Bezugspersonen wird ja während des ersten Lebensjahres erst aufgebaut.)

Auch nach dem dritten Lebensjahr geht die Streßhormon-Ausschüttung durch Kindergarten-Betreuung wieder zurück, wie den weiteren Ausführungen zu entnehmen ist. Die Forscher sprechen weiterhin von “strong evidence that early experiences shape the reactivity and regulation of neurobiological systems underlying fear, anxiety, and stress reactivity.” The researchers thus see reasons for concerns about day care when they review animal studies concluding that “early experience” helps create “the neural substrate of vulnerability to anxiety and depressive disorders.” If infant animals exposed to stresses that drive up their cortisol levels later become “adults [that] exhibit heightened fearfulness and greater vulnerability to stressors,” what future lies ahead for “toddlers [who] exhibit a rising pattern of cortisol across the child care day” because they have been placed in a “context [that] is challenging?”

Die Forscher referieren also weiterhin Tierstudien, die zu dem Ergebnis kommen, daß frühe Erfahrungen das neuronale Substrat von Anfälligkeit für Ängstlichkeit und depressive Kranheiten bilden. Wenn Tierjunge, die Streßerfahrungen machten, später erwachsene Tiere werden, die erhöhte Ängstlichkeit und größere Verwundbarkeit durch Stressoren zeigen, so fragen die Forscher: Welche Zukunft liegt dann vor (menschlichen) Kindern, die solche Erfahrungen gemacht haben?

2. What the rodent prefrontal cortex can teach us about attention-deficit/hyperactivity disorder: the critical role of early developmental events on prefrontal function (Ron M. Sullivan, Wayne G. Brake) (Behavioural Brain Research 2003 [pdf.]).

Nach dieser Studie spielt eine Fehlfunktion des rechten präfrontalen Kortex eine wichtige Rolle bei ADHS. Und das Risiko des Eintretens dieser Fehlfunktion wird erhöht verschiedene frühe Entwicklungsfaktoren.

3. "Ist eine stressige Kindheit der Grund?" Stress in jungen Jahren, sagen israelische Forscher, stört die Entwicklung von Hirnarealen, die für Emotionen zuständig sind. Die Folge sind Depressionen und Ängste ... (Tsoory M, Cohen H, Richter-Levin G. "Juvenile stress induces a predisposition to either anxiety or depressive like symptoms following stress in adulthood." (European Neuropsychopharmacology [pdf.])

und der umgekehrte Ansatz:

4. "Glücksgefühle und Gesundheit". (Zitat aus dem Artikel: Je glücklicher ein Teilnehmer war, desto geringer waren auch die Cortisolwerte während des Tages). (Handicap-network.de 2005)

- Ja, das ist natürlich auch entwaffnend. Der Anfang der Meldung sei vollständig zitiert:

Glück: Positive Auswirkung auf die Gesundheit
Gefühle wirken sich direkt auf Körperchemie aus

London - 19.04.2005 - Menschen, die in ihrem täglichen Leben glücklicher sind, verfügen bei entscheidenden Körperchemikalien wie dem Stresshormon Cortisol über bessere Werte als jene, die nur wenige positive Gefühle erleben. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des University College London http://www.ucl.ac.uk gekommen. Das bedeutet, dass glücklichere Menschen gesündere Herzen und kardiovaskuläre Systeme haben könnten. Ein Umstand, der ihr Risiko für Krankheiten wie Diabetes verringern könnte. Frühere Studien haben gezeigt, dass Depressionen im Vergleich mit durchschnittlichen emotionalen Zuständen eher mit Gesundheitsproblemen zusammenhängen. Wenige Untersuchungen haben sich bisher mit den Auswirkungen positiver Stimmungen auf die Gesundheit auseinandergesetzt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences http://www.pnas.org veröffentlicht. ...

Deutschland wird familienfreundlicher - der "Windel-Willi"

Deutschland heizt jetzt mit gebrauchten Windeln.

Jeder, der Kinder hatte, weiß es: Diese Masse an Windeln. Und jedes ökologische Gewissen versinkt vor Scham 10 Meter tief unter die Erde, wenn es sich gestattet, nicht Stoffwindeln zu benutzen, die unendlich aufwendig gewaschen werden müssen.

Aber nun endlich der Fortschritt: Der "Windel-Willi" - "Made in Germany". (Berliner Morgenpost)

(Aha, Hauptlieferanten des "Windel-Willi's" sind - offenbar - derzeit noch die Altersheime. - Na, da könnte ja eine andere Familienpolitik etwas dran ändern ...)

Mit gebrauchten Windeln effizient heizen

Meckenbeuren - Der Heimbetreiber Stiftung Liebenau hat eine mit Windeln befeuerte Heizanlage entwickelt. Der Spezialofen verbrennt bis zu 5000 Tonnen der gebrauchten Windeln im Jahr. Mit der entstehenden Wärme versorgt die Stiftung ihre Wäscherei und heizt Wasser auf. Die elf Meter hohe Anlage sei europaweit zum Patent angemeldet, sagte der Bauleiter der Stiftung, Marco Nauerz.

Derzeit liefern 40 Heime und Pflegeeinrichtungen Windeln, 26 davon gehören zur Stiftung. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl verdoppeln. Die Stiftung spart durch den Ofen Gas und Öl sowie Müllgebühren von 350 000 Euro für die Entsorgung ihrer 2,1 Millionen Windeln im Jahr.

In die "Windel-Willi" genannte Verbrennungsanlage investierte sie rund drei Millionen Euro. Als langwierig und kompliziert erwies sich die Genehmigung, da das Gesetz Windeln nicht als Brennstoff vorsieht. Gemeinsam mit einem Ofenhersteller und einem Unternehmen für Verbands- und Hygieneartikel will die Stiftung die neue Technik auch vermarkten. Die Stiftung Liebenau ist ein Unternehmensverbund, der im Pflege-, Behinderten- und Bildungsbereich tätig ist.

Mittwoch, 27. Juni 2007

100.000 Euro pro Jahr für meine Mutter

In der vorletzten Pressemitteilung des Familiennetzwerks aus dem Mai (Familie-ist-Zukunft.de) ist aufmerksam gemacht worden auf einen hochinteressanten Artikel im Spiegel des letzten Jahres. (Spiegel Mai 2006 oder hier)

"Laut einer amerikanischen Lohnstudie vom Mai 2006," so sagt Maria Steuer vom "Familiennetzwerk", "müsste eine Vollzeitmutter mit mindestens einem Kind unter 15 für ihre verschiedenen Tätigkeiten im Haushalt ein Jahresgehalt von rund 100.000 Euro (134.121 Dollar) beziehen."

Das ist also die zehnfache Summe dessen, von was Herr Kirchhoff so "Pi mal Daumen" sprach. Jedem Gewerkschafts-Boß würden die Haare zu Berge stehen bei derartig konfusen "Lohngesprächen" und Lohnforderungen und Lohnberechnungen wie sie schon seit mindestens zehn Jahren durch die Wissenschaft spuken.

Vorbemerkung zu dem Spiegel-Artikel, der hier einfach vollständig zitiert werden muß (Hervorhebung durch mich, I.B.): Die deutsche Wissenschaft tut sich unwahrscheinlich schwer und schwerfällig mit "Zeitbudget-Erstellungen", wie ich schon in einem früheren Beitrag erwähnt habe. Ob die "Zeitbudgets", die laut des folgenden Artikels durch Internet-Umfrage in den USA erstellt wurden, einer Überprüfung standhalten, weiß ich nicht. Aber auch diese Berechnung kann man einmal als einen Orientierungspunkt wählen. Vor allem von Überstunden-Berechnungen habe ich in deutschen Zeitbudget-Berechnungen weder von 2001 noch von 1994 irgend etwas gelesen. Da war man in allem hochgradig "bescheiden".

Vollzeit-Mutter so viel wert wie ein Richter

Wie viel die Arbeit einer Mutter und Hausfrau wert wäre, wenn sie für ihre vielen Aufgaben ein Gehalt bekäme, ist nicht leicht zu beziffern. Mitarbeiter einer Beratungsfirma in den USA haben es trotzdem versucht - und ausgerechnet, dass ein gerechter Jahreslohn sechsstellig sein müsste.

New York - Die Mitarbeiter der auf Gehaltsvergleiche spezialisierten Internet-Seite Salary.com schreiben in ihrer Studie, dass die alltägliche Arbeit einer US-Hausfrau so viel wert sei wie die eines Werbemanagers, Marketingchefs oder Richters. Eine Vollzeitmutter mit mindestens einem Kind unter 15 müsste für ihre verschiedenen Tätigkeiten im Haushalt eigentlich ein Jahresgehalt von 134.121 Dollar beziehen, haben die Studienautoren berechnet.

Eine Mutter, die einem regulären Job nachgeht, müsste zusätzlich zu ihrem tatsächlichen Lohn noch 85.876 Dollar im Jahr verdienen, wenn ihre Arbeit im Haushalt nach Marktlohn honoriert würde. Die Werte fallen unter anderem deswegen so scheinbar hoch aus, weil Salary.com in seiner Berechnung den Müttern und Hausfrauen hohe Überstunden-Zuschläge gewährt hat, wie sie nach Ansicht der Autoren auch in der freien Wirtschaft fällig würden.

Als Grundlage für ihre Berechnung zog Salary.com die Einkommen von zehn Berufen heran, die den Aufgaben einer Hausfrau mit Kindern in gewisser Weise ähneln. Dies seien die Berufe Haushälterin, Nachhilfelehrerin, Köchin, Computerfachfrau, Gärtnerin, Wäscherei-Bedienstete, Hausmeisterin, Chauffeurin, Psychologin und Unternehmenschefin. Für ihre Studie hatte die Firma in den vergangenen zwei Monaten etwa 400 Mütter in den USA online nach ihren Arbeitszeiten und der Art ihrer Tätigkeiten befragt.

Die Vollzeitmütter, die an der Umfrage teilnahmen, verbrachten demnach nach eigenen Angaben im Schnitt 91,6 Stunden pro Woche mit Arbeit. Eine typische Mutter mit Vollzeitjob arbeitet den Ergebnissen zufolge 44 Stunden pro Woche für ihren Arbeitgeber und 49,8 Stunden für die Familie und im Haushalt.

"Es ist gut, dass man diesen Job anerkennt und dass man begreift, dass diese Frauen nicht einfach 'nur eine Mutter' sind", sagte der Vize-Chef von Salary.com, Bill Coleman. "In Wirklichkeit arbeiten sie ziemlich viel".

Und Frau von der Leyen geizt wegen 1.800 Euro Betreuungsgeld jährlich herum. Kein Wunder, daß die deutschen Frauen da in den Gebärstreik treten. Nur sollten sie dann auch ihre Gewerkschafts-Vertreter ins Familienministerium senden - - - und ein paar Eier schmeißen. Mindestens.

Geld für Familien - die Forderungen der Familien-Partei Deutschlands

Im letzten Rundbrief des Bundesvorstandes der Familien-Partei Deutschlands aus dem Dezember 2006 heißt es (Familien-Partei-Deutschlands.de):

Die Familien-Partei Deutschlands will diesen gesetzlich bedingten Benachteiligungen der Familien durch einen echten Familienlastenausgleich ein Ende setzen. Die Gleichstellung der Familienarbeit für Kinder mit der Erwerbstätigkeit im Berufsleben soll durch die Einführung eines sozialversicherungs- und steuerpflichtigen Erziehungsgehalts hergestellt werden. Dieses sollen die Erziehungsleistenden wahlweise entweder unmittelbar selbst in Anspruch nehmen oder für eine qualifizierte Fremdbetreuung weiterverwenden können. Und es soll ein Kindergeld für die kindbedingten existenzsichernden Aufwendungen an die Erziehungsberechtigten gezahlt werden. (...) Beide Maßnahmen sollen für höchstens vier Kinder in folgenden Höhen gewährt werden:
Erziehungsgehalt Euro brutto monatlich

Im ersten Lebensjahr des Kindes 1.875
Bis zum 3. Lebensjahr 1.313

Bis zum 6. Lebensjahr 830

Bis zum 10. Lebensjahr 482
Bis zum 14. Lebensjahr 284


Kindergeld
Euro netto monatlich

Bis zum 3. Lebensjahr 332

Bis zum 6. Lebensjahr 367

Bis zum 10. Lebensjahr 427

Bis zum 14. Lebensjahr 492

Bis zum 18. Lebensjahr 566
Hm. Ich traue mir derzeit noch kein echtes Urteil zu diesem Vorschlag zu. - Zu bescheiden? Vernünftig? Zu weitgehend? - Jedenfalls endlich mal konkrete Zahlen, an denen man sich orientieren kann. (Einfügung: Ich weise darauf hin, daß sich diese Zahlen sehr bescheiden ausnehmen verglichen mit den Zahlen, die im nächsten Beitrag genannt sind. Und es gefällt mir nicht mehr, wenn Familien bescheiden sind.)

Plakat zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2005

Die Familien-Partei wirbt heftig um Mitglieder ...

Die Familien-Partei Bayern will zusammen mit der ÖDP Bayern eine Petition an den bayerischen Landtag richten. Dazu ist auf der Homepage ein wie mir scheint sehr vernünftiger Text formuliert worden (Familien-Partei-Deutschlands.de):

Ein Erziehungsgehalt wäre ein Gewinn für alle!

Die FAMILIEN-PARTEI sieht in einer jahrzehntelangen Vernachlässigung der Familien die Hauptursache für die meisten Probleme der Gegenwart. Schon seit Jahrzehnten werden in Deutschland Eltern vom Staat weitgehend allein gelassen und geraten immer häufiger in Armut. Viele Mütter werden aus Geldnot zur Erwerbsarbeit gezwungen, obwohl sie gerne weitere Kinder aufziehen möchten. Folge dieser politischen Fehlleistung ist ein seit Jahrzehnten stattfindender Rückgang der Geburten, dem unsere Politiker auch heute noch weitgehend tatenlos zusehen. Durch Kinderarmut und Bildungsmisere geht die Zahl der Leistungsträger schon seit vielen Jahren dramatisch zurück. Der Wirtschaft fehlen die nicht geborenen Konsumenten, Ingenieure, Firmengründer, Erfinder und Fachkräfte der letzten dreißig Jahre. Weil zu viele junge Menschen, anstatt Kinder zu bekommen und eine Erwerbspause einzulegen, auf den Arbeitsmarkt drängen, herrscht gleichzeitig in vielen Berufen ein Überangebot an Arbeitskräften. Millionen Menschen sind deshalb arbeitslos oder finden nur zu Niedrigstlöhnen Arbeit. Unsere sozialen Systeme stoßen an die Grenzen der Belastbarkeit, weil immer weniger Beitragszahler für immer mehr Sozialhilfe- und Rentenempfänger aufkommen müssen. Immer mehr Ehepaare bleiben aus finanziellen Gründen trotz Kinderwunsch kinderlos. Die Demographiespirale dreht sich so in dramatischer Weise nach unten weiter. Zu alle dem wandern bereits heute jährlich mehr als 100.000 bestens ausgebildete junge Menschen aus, weil eine durch Geburtenrückgang schrumpfende Gesellschaft ihnen weniger Möglichkeiten bietet.

Ein Erziehungsgehalt für Eltern könnte all dies ändern

Durch „Aufwertung und Stärkung der Familien“ könnten die meisten Probleme der Gegenwart gelöst werden. Vor allem hätten junge Menschen wieder den Mut Kinder in die Welt zu setzen, wenn sie beim Aufziehen von Kindern keine materiellen Nachteile in Kauf nehmen müssten. Die häusliche Erziehungsarbeit würde damit anerkannt und der Erwerbstätigkeit gleichstellt. Eltern hätten dadurch echte Wahlfreiheit sich zu entscheiden, ob sie ihre Kinder zuhause aufziehen oder fremde Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Armut in den Familien und die bedrohlich steigende Zahl der Kinder, die unter die Armutsgrenze fallen, könnten somit verringert werden. Eltern könnten ihren Kindern mehr Zeit zuwenden und damit die Qualität der Erziehung verbessern.

Auswirkungen am Arbeitsmarkt: Durch Umfragen wurde ermittelt, dass ca. 2-3 Millionen Eltern von diesem Angebot Gebrauch machen und eine vorübergehende Auszeit nehmen würden, um Kinder zuhause zu erziehen. Dies hätte eine ganze Reihe positiver Auswirkungen auf die Arbeitswelt und das Wohlergehen der Menschen. Das Überangebot von Arbeitskräften am Arbeitsmarkt würde abgebaut und Arbeit wieder zu einem gefragten Gut. Die Zahl der Arbeitslosen und damit die Kosten würden abnehmen. Ebenso würde die Beschäftigung zu Niedrigstlöhnen verhindert, weil Arbeitnehmer nicht mehr erpressbar wären. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten würde zunehmen und Eltern nach der Erziehungsphase leichter in die Arbeit zurückkehren können, weil sie am Arbeitsmarkt benötigt würden. Das allgemeine Lohnniveau würde ansteigen und sich normalisieren. Menschen mit geringer Ausbildung könnten ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten.

Auswirkungen auf die Sozialsysteme: Als Folge der Mehrbeschäftigung am Arbeitsmarkt und durch bezahlte häusliche Erziehungsarbeit würde die Zahl der Sozialhilfeempfänger abnehmen. Die Einzahlungen in die Sozialkassen würden durch den Anstieg von Vollzeitbeschäftigten steigen und im Gegenzug die Auszahlungen abnehmen. Beiträge zu den Sozialkassen könnten gesenkt werden.

Demographische Auswirkungen: Die Geburtenraten würden steigen und damit die gewaltigen Zukunftsprobleme abmildern. Der weitere Zerfall der sozialen Systeme könnte so gebremst und die Ausbeutung der nachfolgenden Generation gemildert werden.

Auswirkungen auf die Wirtschaft: Im Gegensatz zu älteren Menschen haben junge Familien mit Kindern einen erhöhten Konsumbedarf, den sie weitgehend im Inland decken und damit Arbeitsplätze schaffen. Ein Anstieg der Geburten, bei gleichzeitiger Anhebung der Einkommen der Familien, würde der Wirtschaft kräftige Impulse geben indem die Binnennachfrage gestärkt wird. Durch Reaktivierung von Millionen von Arbeitslosen würde, zusammen mit den Nachwuchserziehenden, die Zahl der produktiv tätigen Menschen steigen und ein dynamischer Wirtschaftskreislauf in Gang kommen, der sich ohne diesen Nachwuchs unabwendbar zu einem Abschwung entwickelt. Längerfristig könnte der Bedarf an Arbeitskräften für unsere Wirtschaft damit gesichert und Deutschland für ausländische Investoren auch in Zukunft interessant bleiben. Neue Arbeitsplätze könnten so entstehen. Die zunehmende Abwanderung junger hoch qualifizierter Menschen aus unserem Land könnte so gestoppt werden.

Menschlichkeit und Solidarität: Der Wandel in eine familien- und kinderfreundliche Gesellschaft könnte das Wohlergehen von Millionen Menschen steigern und ihnen das Vertrauen zu Politik und Staat zurückgeben. Humanitäre Werte könnten in unserer Gesellschaft wieder Vorrang vor übertriebenem Besitzstreben bekommen und damit Lebensqualität und Zufriedenheit mehren. Der Weg in die Greisengesellschaft könnte so gebremst, soziale Unruhen vermieden und den drohenden Konflikten zwischen Eltern und Kinderlosen sowie zwischen den Generationen vorgebeugt werden.

Finanzierbarkeit: Durch das, durch Verjüngung der Konsumgesellschaft steigende Wirtschaftswachstum, damit steigende Löhne und Steuereinnahmen sowie durch Einsparungen bei den Sozialausgaben und geringeren Ausgaben bei Krippenplätzen wäre ein „Erziehungsgehalt für Eltern“ vom Staat weitgehend kostenneutral zu realisieren und dabei eine für die gesamte Gesellschaft sich in höchstem Maße lohnende Investition.

Es ist schon sehr spät! Wir können und müssen diese Investition jetzt tätigen, wenn wir die Zukunft nicht endgültig verspielen wollen!

Die "Familien-Partei Deutschlands" hat klare Konzepte

Es ist notwendig, daß man sich allmählich einen Überblick verschafft über die "alternative Szene" moderner, außerparlamentarischer Familienpolitik. Die "Familien-Partei Deutschlands" veranstaltete am 21. Januar dieses Jahres in Ingolstadt ein "Renten-Hearing" unter dem Titel "50 Jahre verfehlter Rentenpolitik führten in die Sackgasse". (Familien-Partei-Deutschlands.de)

Das ist das, was hier auf dem Netztagebuch auch schon thematisiert worden ist (Gerhard Mackenroth, Winfried Schreiber etc. pp.). Und es ist zu erfahren, daß insbesondere ein Herr "Heinrich Oldenburg, Diplom-Volkswirt für die Familien-Partei Deutschlands", zielführende Konzepte vertritt. Der Vertreter der Ökologisch-demokratischen Partei (ÖDP) vertrat mir auf diesem "Hearing" ein zu schwammiges Konzept. Und die anderen "Kleingruppen" scheinen auch zurückhaltender zu sein. Nun der Bericht im einzelnen (Hervorhebungen durch mich, I.B.):

Die bayrischen Landesverbände der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) und der Familien-Partei Deutschlands (FAMILIE) organisierten anlässlich der Verabschiedung der Adenauerschen Rentengesetze vor genau 50 Jahren eine Renten-Anhörung in Ingolstadt zusammen mit dem Kolping-Verband Bayern und dem Deutschen Familien-Verband. Die gemeinsame Presseerklärung von ödp und Familien-Partei gibt eine Zusammenfassung über den Ablauf der Veranstaltung (...), auf der für ein familiengerechtes Rentensystem geworben wurde.
Die Teilnehmer auf dem Podium waren:
- Peter Petters, Rentenberater, Sozialexperte vom Kolping-Verband Bayern
- Dr. Albin Nees, Präsident des Deutschen Familien-Verbandes
- Moderation: Bernhard Suttner, Landesvorsitzender der bayrischen ödp
- Heinrich Oldenburg, Diplom-Volkswirt für die Familien-Partei Deutschlands
- Dr. Johannes Resch, Mediziner und Sozialexperte der ödp.
Bei der Anhörung in Ingolstadt gingen Heinrich Oldenburg (FAMILIE) und Dr. Johannes Resch (ödp) mit den Adenauerschen Rentengesetzen von 1957 scharf ins Gericht. Durch die enge Bindung der Höhe der späteren eigenen Rente an die Höhe der bei Erwerbstätigkeit geleisteten Einzahlungen sei jegliches Gefühl für den Generationenvertrag verloren gegangen. Generationenvertrag bedeute in Wirklichkeit, dass Kinder als Gegenleistung für den an ihnen geleisteten Erziehungsaufwand seitens ihrer Eltern später Rente an ihre Elterngeneration bezahlen. Es gelang insbesondere mit der Vorstellung der Rentenmodelle der Familien-Partei und der ödp familiengerechte Wege aus der Dauerkrise des Rentensystems aufzuzeigen. Der Präsident des Deutschen Familenverbandes, Dr. Albin Nees, nannte Zahlen, die diese Krise sehr anschaulich darstellen: Derzeit müssen jährlich rund 80 Mrd. Euro - Tendenz steigend - aus Steuermitteln in die Rentenversicherung fließen, weil anderenfalls längst der Beitragssatz für die Rentenversicherung auf rund 28% statt des derzeitigen Satzes von 19,5 % gestiegen wäre. Diese Misere sei noch nicht einmal durch die demographische Entwicklung bedingt, die erst in 10 - 20 Jahren voll auf die Rentenversicherung durchschlagen werde, sie sei vielmehr Folge der zunehmenden Lebenserwartung und der Arbeitslosigkeit. (...)

Volkswirt Heinrich Oldenburg forderte für die Familien-Partei, dass die vollen Kosten für Auf- und Erziehung der Kinder und Jugendlichen - ein steuer- und sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt plus existenzsicherndes Kindergeld - von der gesamten Gesellschaft zu tragen seien. So entstünde ein Anspruch auf entsprechende Rentenbezüge, der der Erziehungsleistung der Eltern entspräche.

Also Herr Oldenburg fordert genau das, was hier auf dem Blog auch schrittweise erarbeitet worden ist. Es entspricht einfach der nüchternen Logik, die aus der familienpolitischen Literatur und vor allem den Gutachten des Familienministeriums etwa von 1994 und 2001 hervorgeht.

Da werden dann insgesamt solche Minimalforderungen wie die folgende nur noch nebensächlich erscheinen - aber schlimm genug, daß noch nicht einmal sie längst im Eilverfahren die parlamentarischen Hürden genommen hat:

Bei allen Teilnehmern der Anhörung verfestigte sich der Eindruck, das derzeitige Rentensystem sei extrem familienfeindlich. Auch geringfügige Korrekturen, wie die Anerkennung von 3 Jahren pro Kind bei der Rentenberechnung für Kinder, die nach 1992 geboren wurden, können daran nur wenig ändern: Die von Dr. Nees und dem Familienverband geforderte Anerkennung von 6 Rentenjahren pro Kind fand generelle Zustimmung.

Für diese Konzepte werden viele Menschen sicherlich jederzeit sofort bereit sein, in Berlin auf die Straße zu gehen. Und man möchte sich wünschen, daß solche Demonstrationen möglichst bald organisiert werden und bekannt gegeben werden.

Mord als Mittel der Politik: CIA

Für den amerikanischen Geheimdienst ist Mord ein Mittel der Politik. Dazu wurden neue Akten freigegeben. Und niemand (?) in der Öffentlichkeit schreit auf. (Zeit) Keine Sorge: Dann wird weitergemordet werden. Das hat schon unter Churchill und Roosevelt (und bei ausdrücklicher Mitwisserschaft beider) so gut geklappt. Der frei gewählte Präsident Tschetscheniens Dudajew ist erst vor wenigen Jahren mit einer russischen, auf sein Handy ausgerichteten Rakete ermordet worden, während er sich in Friedensverhandlungen mit einem Duma-Abgeordneten befand. Niemand soll dem Irrtum verfallen, irgendetwas an unseren Zeiten würde sich bessern ... Oder doch? Wir lesen:
Eine Expertin kritisierte, die Freigabe dieser Akten sei zu wenig. Es müssten mehr Informationen über die Möglichkeiten des CIA zur Terrorabwehr zur Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlicht werden, sagte die Politik-Beraterin Amy Ziegart. "Wenn der Geheimdienst wirklich verbessert werden soll, dann müssen diese Papiere herausgegeben werden", sagte sie.

Fehlende Ehepartner, nicht fehlende Kinderkrippen sind das Problem

Wer es wissen wollte, wußte es schon länger. Und für alle anderen hat das Institut Allensbach jetzt eine Umfrage gemacht. Ergebnis: Nicht fehlende Kinderkrippen, sondern fehlende Ehepartner sind der Hauptgrund dafür, daß in den letzten Jahrzehnten etwa 12 Millionen gewünschte Kinder nicht geboren worden sind. So im neuesten Rundbrief des Berlin-Instituts. (Zusammenfassende Grafik: Draufklicken für größere Ansicht.) (Auch die Süddeutsche berichtet.)

Rund 70 Prozent der 25- bis 59-jährigen Bevölkerung in Deutschland haben Kinder, 30 Prozent sind kinderlos. Nur acht Prozent in dieser Altersgruppe bleiben jedoch freiwillig ohne Nachwuchs. Fast ein Viertel der befragten Altersgruppe wünscht sich aktuell ein Kind, genau 22 Prozent. Darunter fallen 13 Prozent bisher Kinderlose und neun Prozent, die bereits Eltern sind und ihre Familie vergrößern möchten. Hinzu kommen weitere 14 Prozent, die früher einmal ein erstes oder ein zusätzliches Kind wollten. Zusammengenommen sind das 36 Prozent. Das heißt, bei 12,8 Millionen Frauen und Männer zwischen 25 und 59 Jahren blieb der Wunsch nach einem Kind (bis jetzt) unerfüllt.

Das sind die Ergebnisse mehrerer repräsentativer Umfragen, die das Institut für Demoskopie Allensbach für die neue Studie "Ungewollt kinderlos" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung durchgeführt hat. (...)
Die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit
Bei den bisher Kinderlosen mit aktuellem unerfülltem Kinderwunsch wird das Fehlen des richtigen Partners als Hauptgrund genannt. (...)

Die Ursachen für unerfüllte Kinderwünsche sind vielfältig und haben bei Kinderlosen und Eltern, die mehr Nachwuchs wollen oder früher gewollt hätten, unterschiedliches Gewicht. Bei den Kinderlosen gibt fast die Hälfte an, es habe (bisher oder damals) am richtigen Partner gefehlt. Erst danach kommen finanzielle Erwägungen oder Befürchtungen, Kinder seien mit den beruflichen Ambitionen nicht vereinbar. Eltern, die sich zusätzliche Kinder wünschen, nennen hingegen finanzielle Gründe und den mangelnden Willen des Partners am häufigsten.
Also auch für die Menschen, die schon Eltern sind, sind fehlende Kinderkrippen keineswegs der Hauptgrund dafür, daß sie gewollte weitere Kinder nicht bekommen.
Aber auch medizinische Ursachen spielen eine beträchtliche Rolle: "Es hat mit dem Schwangerwerden nicht geklappt", das sagen 34 Prozent der Kinderlosen mit früherem unerfülltem Kinderwunsch und 13 Prozent jener, die zurzeit vergeblich ein Baby zu bekommen versuchen. Bei denen, die bereits Eltern sind und sich früher weitere Kinder wünschten, sind es zwölf Prozent, und bei den Eltern mit aktuellem Wunsch nach weiteren Sprösslingen 15 Prozent. Das bedeutet, dass insgesamt 1,4 Millionen Frauen und Männer in Deutschland gerne Kinder oder mehr Kinder hätten, aber aus medizinischen Gründen keine (mehr) bekommen können. (...)

Wie die Allensbach-Befragung zeigt, unterschätzen die 25- bis 59-Jährigen die Abnahme der Fruchtbarkeit der Frauen mit zunehmendem Lebensalter massiv: 40 Prozent nehmen an, dass die natürliche Fruchtbarkeit erst ab 40 zurückgehe, weitere 14 Prozent sind sogar der Meinung, dies sei erst ab etwa 45 Jahren der Fall. Tatsächlich geht die natürliche Fruchtbarkeit bereits vom 30. Geburtstag an allmählich zurück, und auch bei reproduktionsmedizinischen Behandlungen wird bei über 30-Jährigen die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu einer Schwangerschaft kommt.
Reizüberflutet und ohne Seele?

Das Berlin-Institut leistet - nach Einschätzung von "Studium generale" - zum Teil ganz hervorragende Arbeit. Es hat ja auch schon Anfang des Jahres darauf hingewiesen, daß die Pille ein "Klima seelischer Verhütung" schafft. Dieser Hinweis, daß späte erste Schwangerschaften biologisch ungünstig sind, ist von der Politik noch nicht aufgegriffen worden. Daraus folgt jedoch, daß insbesondere frühes Heiraten erleichtert werden muß und den Frauen für eine spätere berufliche Ausbildung und den beruflichen Wiedereinstieg praktisch rote Teppiche ausgelegt werden müssen. Auch müssen Partnerschafts-Kompetenzen und Verantwortungsbewußtsein im frühen Lebensalter (also mit Eintritt der Volljährigkeit) schon gestärkt werden und dürfen nicht durch schlechte mediale Beeinflussung ständig in die gegenteilige Richtung abgeschwächt werden.

Die Kinderlosigkeit hat also ganz offensichtlich im wesentlichen etwas mit Problemen in den Paarbeziehungen in Deutschland zu tun. - Ein Land ohne Liebe?

Neue abschließende Gedanken hierzu (hinzugefügt am 8.7.): Wahrscheinlich ist - wie schon von Frank Schirrmacher und Matthias Matussek im "Spiegel" letztes Jahr vermutet - auch Patriotismus eine seelische Kraft, die eine größere (seelische) Übereinstimmung zwischen Männern und Frauen in einem Land herbeiführen könnte, so daß Ehen leichter geschlossen werden und stabiler bleiben. Denn die Menschen gewinnen auf diese Weise mehr Vertrauen in die größere, sie umgebende Gemeinschaft und bekommen überhaupt von allen Seiten mehr Zustimmung zu einem Handeln, das dem langfristigen Überleben der eigenen Kultur, des eigenen Volkes dient. Und eben nicht nur zur persönlichen Glücksbefriedigung.

Wenn der Mensch eine Seele hat, dann müssen Tiere auch eine Seele haben

Die "New York Times" fragt, ob auch aus naturwissenschaftlicher Sicht gesagt werden kann, daß Menschen eine Seele haben. (NYT, Darwinian Conservatism) Und ihre Antwort ist mehr oder weniger: Wenn man dem Menschen eine Seele zuspricht, dann geht das nur, wenn man sie auch den Tieren zuspricht. Dem kann ich folgen.

NYT: ... there may be soul in the sense of “the universal spirit of the cosmos,” but the soul as it is usually spoken of, “an immaterial spirit that occupies individual brains and that only evolved in humans — all that is complete nonsense.”

Also wenn man also Naturwissenschaftler sagen möchte, daß Menschen eine Seele haben, dann muß man in jedem Fall sagen, daß auch Tiere eine haben. Das ist die zentrale Aussage dieses Artikels, auf die es ankommt. Natürlich muß man als Naturwissenschaftler derzeit noch nicht sagen, daß Menschen eine Seele haben. Man kann weiterhin davon ausgehen, daß die ganze Welt, alle Tiere und Menschen (und Pflanzen und Einzeller) nichts weiter als Maschinen seien. Tut man es aber nicht, kann man nicht nur dem Menschen Seele zusprechen, sondern muß dies auch den Schimpansen gegenüber tun oder dem Australopithecus. Denn alles, was beim Menschen Seele ausmacht, ist in der einen oder anderen Weise bei anderen Lebewesen auch schon vorhanden. Auch beim Hund in der Wohnung.

In der NYT wird dies folgendermaßen ausgedrückt: “Evolutionary biology shows the transition from animal to human to be too gradual to make sense of the idea that we humans have souls while animals do not,” wrote Dr. Murphy. (...) “All the human capacities once attributed to the mind or soul are now being fruitfully studied as brain processes — or, more accurately, I should say, processes involving the brain, the rest of the nervous system and other bodily systems, all interacting with the socio-cultural world.”

Therefore, she (Nancey Murphy) writes, it is “faulty” reasoning to want to distinguish people from the rest of creation. She and Dr. Haught cite the ideas of Thomas Aquinas, the 13th-century philosopher and theologian who, Dr. Haught said, “spoke of a vegetative and animal soul along with the human soul.” (...) "It’s wiser to recognize that there is something analogous to soul in all living beings.”

Does this mean, say, that Australopithecus afarensis, the proto-human famously exemplified by the fossil skeleton known as Lucy, had a soul? He paused and then said: “I think so, yes. I think all of our hominid ancestors were ensouled in some way, but that does not rule out the possibility that as evolution continues, the shape of the soul can vary just as it does from individual to individual.”

Und wo sind - wieder einmal - die Philosophen?

Kardinal Schönborn machte sich neulich in einem Interview noch ziemlich lächerlich, als er gefragt wurde, ob der Neandertaler eine Seele hätte und sagte, das wisse er nicht!! (Weil ja vom Neandertaler nix in der Bibel steht, grins!) - Das folgende würde ich allerdings zu diesem Thema auch sagen: Dr. Haught said it could be difficult to discuss the soul and evolution because it was one of many issues in which philosophical thinking was not keeping up with fast-moving science.

Auf diesem Gebiet hat der Atheismus (und natürlich auch der Monotheismus) philosophisch Tabula rasa gemacht. Und Philosophen, die sich - etwa - mit dem Deutschen Idealismus beschäftigen, wie etwa Dieter Henrich, von denen hat man noch nie etwas über moderne Naturwissenschaft gehört. (Ich zumindest nicht. Das ist diesen Philosophen wahrscheinlich zugleich 1. zu banal, 2. zu kompliziert.)

Konrad Lorenz würde - wohl - zustimmen

Dann wird auch noch Kenneth R. Miller zitiert, den ich - zusammen mit Richard Dawkins - sehr schätze. Er sagt: Als Wissenschaftler kann ich von Seele nicht reden. - Ich bin mir nicht sicher, ob sich diese "harte" Route wird durchhalten lassen. Musikalität hat etwas mit Seele zu tun - oder etwa nicht? Und wie ist es mit Empathie? Natürlich, im Zweifelsfall sind wir Maschinen, die sich für Musik begeistern. Im Zweifelsfall. Konrad Lorenz zum Beispiel hat sich gegen ein solches "szientistisches" Menschen- und Weltbild heftig gewehrt in seinem Buch "Der Abbau des Menschlichen" (siehe frühere St. gen.-Beiträge.) "Werterlebnisse" sind für Konrad Lorenz, wenn ich ihn recht verstanden habe, seelische, schöpferische Erfahrungen.

Was aber jetzt Larry Arnhart ("Darwinian Conservatism") aus diesem NYT-Artikel macht, das will mir auch nicht so recht gefallen. Er sagt, in der Bibel würde sich das Decarte'sche Denken gar nicht finden. Und er murmelt dann etwas von der Wiederauferstehung des wiederbeseelten (- "enspirited"?) Körpers. Und was soll das nun heißen? Ich glaube, das kann er seiner Großmutter erzählen. Meiner nicht. (Erstens weil sie nicht mehr lebt. Zweitens aber auch sonst nicht: "So ein Quatsch," hätte sie gesagt.)

Arnhart (Darwinian Conservatism): Moreover, I also believe that this Cartesian dualism contradicts the Bible, which teaches that our minds and bodies are inextricably intertwined. Rather than looking to the immortality of the soul separated from the body, the Bible looks to the resurrection of the enspirited body. Neuroscience explores this psychosomatic unity of mind and body.

- Er meint wahrscheinlich die Wiederauferstehung eines zuvor - vielleicht durch Depressionen - "entseelten" Körpers. Sonst wüßte ich nicht, was er meinen könnte. Aber ne, selbst dann: Dat is was für seine Großmutter, nicht für meine. Ich stehe auch manchmal von den Toten auf. Ich werde auch manchmal gekreuzigt. Ja. Religiöse Metaphern sind gut, so lange man sie allein philosophisch betrachtet. Und prinzipiell südamerikanische religiöse Metaphern genauso bewertet wie europäische. Und das ganze sonstige Bimbamborium drum herum beiseite läßt. Ich weißt aber nicht genau, wie Larry Arnhart das sieht. Denn: Warum redet er nur von biblischen und nicht gleichzeitig auch von südamerikanischen Märchen?

Geburtenrate und öffentliche Diskussion

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bringt ein Interview mit Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung. Unter dem Titel "Wenn Kinder rar werden". (WAZ) Darin wird noch einmal deutlich, wie wichtig öffentliche Diskussion ist - und wie schlimm es ist, daß man damit erst vor zehn Jahren und nur ganz zögerlich angefangen hat.
...

WAZ: Aber das Klima für Kinder ist doch besser geworden?

Klingholz: Weil wir, die Gesellschaft, darüber reden und nicht nur die Politik. Sie wäre von allein nicht darauf gekommen. Die öffentliche Diskussion hat sie durch die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, durch Bücher zu den Folgen der Überalterung wachgerüttelt. Wer vor zehn Jahren über Geburtenrate geredet hätte, wäre dem Verdacht ausgesetzt gewesen, reaktionär zu sein.

"Studium generale"

Der Gründer und Inhaber dieses Blogs hat an mehreren Universitäten studiert (Konstanz, FU Berlin, Tübingen, Gießen). Vor allem aber an der Universität Mainz. Und gerade von dieser Universität ist ihm das "Studium generale" in besonders guter Erinnerung. Und dasselbe hat wohl auch sein eigenes Verständnis von Wissenschaft, von Interdisziplinarität, von Weite des Horizontes, von weiter Öffnung des Elfenbeinturms der Wissenschaft nach "draußen", ins Volk hinaus geprägt. Nicht weniger, wie eben auch inhaltlich eine Fülle von Wissen vermittelt worden ist.

Abb. 1: 16. Mai 1988 - Studium generale Mainz - als Beispiel
Vor allem in Erinnerung an dieses "Studium generale" in Mainz, vielleicht sogar als eine Art Fortführung desselben, ist dieser Blog schon ab seiner Gründung "Studium generale" benannt worden. Und deshalb auch einmal ein Verweis auf die Netzseite des Mainzer Studium generale - mit Dank an meine alte "alma mater"!

Abb. 2: 26. 1. 1989 - Studium generale Mainz - als Beispiel
Bei weitem nicht an jeder Uni findet man ein so gutes "Studium generale" wie zu meiner Studienzeit an der Universität Mainz. Manche Universitäten haben gar keines oder das dortige weist längst nicht die Lebendigkeit auf, die in Mainz damals vorhanden war.

Abb. 3: 25. 4. 1989 - Studium generale Mainz - als Beispiel
So war einmal auch Prof. Manfred Eigen im brechend vollen größten Hörsaal eingeladen. So wie in den Mainzer Philosophie-Vorlesungen des Professors Rudolf Malter immer sehr viele "sonstige" Menschen aus Mainz zuhörten, so auch in vielen Veranstaltungen des "Studium generale".

Abb. 4: 21. 11. 1994 - Studium generale Mainz - als Beispiel
Viele der damaligen Einladungsblätter zu Veranstaltungen haben ich verstreut in meinen alten Unterlagen noch gefunden. Und wenn ich sie in Händen halte, ihr altes "Layout" sehe, steigt viel von - - - "der alten Zeit" wieder in die Erinnerung auf. Weniger was die einzelnen Themen selbst betrifft (willkürliche Auswahl hier!), sondern überhaupt was die Fülle des Gebotenen betrifft.

 (ursprünglich eingestellt: 27.6.2007; um die Abbildungen ergänzt: 31.12.2012)

Dienstag, 26. Juni 2007

IQ-Gene - schon wieder neue entdeckt?

Menschen sind global verbreitet aber lokal evoluiert, heißt es im Titel eines neuen New York Times-Artikels (von Nicholas Wade - "Humans Have Spread Globally, and Evolved Locally") (NYT, Gene Expession). Das war ja auch schon das Thema des Buches von N. Wade "Before the Dawn", das im letzten Jahr erschienen ist. Nun referiert er einige neu hinzugekommene Forschungen, die das bisherige bestätigen und erweitern. Der Artikel hat auch eine schöne Grafik, die den Inhalt bildlich veranschaulicht (vielleicht wird's durch Draufklicken größer, sonst muß man zur Original-Seite gehen):

Einige Textauszüge (Hervorhebungen durch mich, I.B.):

(...) Another study, by Scott Williamson of Cornell University and colleagues, published in PLoS Genetics this month, found 100 genes under selection in Chinese, African-Americans and European-Americans.

In most cases, the source of selective pressure is unknown. But many genes associated with resistance to disease emerge from the scans, confirming that disease is a powerful selective force. Another category of genes under selective pressure covers those involved in metabolism, suggesting that people were responding to changes in diet, perhaps associated with the switch from hunting and gathering to agriculture.

Außerdem gibt es Gene, die die Hautfarbe kodieren. - Und hier dann etwas für unsere kritische Kommentatorin Sinuhe (aber natürlich nicht nur für sie!):

Another puzzle is presented by selected genes involved in brain function, which occur in different populations and could presumably be responses to behavioral challenges encountered since people left the ancestral homeland in Africa.

But some genes have more than one role, and some of these brain-related genes could have been selected for other properties.

Hierüber werden zunächst ältere Forschungen referiert (Bruce Lahn) und dann heißt es:

Even more strikingly, Dr. Williamson’s group reported that a version of a gene called DAB1 had become universal in Chinese but not in other populations. DAB1 is involved in organizing the layers of cells in the cerebral cortex, the site of higher cognitive functions.

Variants of two genes involved in hearing have become universal, one in Chinese, the other in Europeans.

Das könnte wieder etwas zu tun haben tonalen und nicht-tonalen Sprachen (siehe St. gen.). Außerdem gibt es Implikationen für Historiker, bzw. historische Implikationen für Humangenetiker:

The emerging lists of selected human genes may open new insights into the interactions between history and genetics. “If we ask what are the most important evolutionary events of the last 5,000 years, they are cultural, like the spread of agriculture, or extinctions of populations through war or disease,” said Marcus Feldman, a population geneticist at Stanford. These cultural events are likely to have left deep marks in the human genome. (...)

The clusterings reflect “serial founder effects,” Dr. Feldman said, meaning that as people migrated around the world, each new population carried away just part of the genetic variation in the one it was derived from.

Zeitlich nacheinander geschaltete Gründereffekte - na, hab ich das nicht immer schon gesagt? Einer der letzten Gründereffekte betraf das aschkenasische Judentum, also einige wenige Frauen, die vor tausend Jahren am Rhein gelebt haben, und von denen heute mehrere Millionen aschkenasische Juden weltweit abstammen. Gründereffekte (also "Flaschenhals-Populationen") sind immer besonders gut geeignet, um neue Gene zu selektieren - zum Beispiel auch IQ-Gene.

Faule Eier

Zu meinem Demonstrations-Aufruf (siehe St. gen.) schrieb mir eine kinderreiche Mutter grundsätzlich zustimmend. Sie hatte aber folgenden Einwand:
"PS: Du wolltest doch immer sachlich bleiben, dazu paßt es nicht, wenn Du gegen Sachbeschädigung (werfen mit Eiern und Tomaten) nichts hast. Die Reinigungskosten tragen wir darüber hinaus alle, jedenfalls soweit Steuern gezahlt werden."
Darauf möchte ich folgendermaßen antworten:

Liebe ...,

die Sachbeschädigung durch Tomaten und faule Eier würde wohl wenig ausmachen gegenüber den 10.000 Euro pro Kind und Jahr, die Dir seit - wieviel? 16? - Jahren nicht gezahlt wurden. So hat das der Herr Kirchhof gesagt. (Siehe St. gen.) Und Kirchhof ist ja nun nicht irgendwer. Du hast sechs (?) Kinder. Nehmen wir an, das älteste ist 16 Jahre alt, das jüngste 6 Jahre alt, also:
16 mal 10.000 Euro = 160.000 Euro
14 mal 10.000 Euro = 140.000 Euro
12 mal 10.000 Euro = 120.000 Euro
10 mal 10.000 Euro = 100.000 Euro
8 mal 10.000 Euro = 80.000 Euro
6 mal 10.000 Euro = 60.000 Euro
Also zusammen 600.000 Euro. Soweit mein derzeitger Literatur-Überblick und meine eigene ganz gewöhnliche Logik reicht, müssen die Verdienstausfälle, die man durch Kinder-Aufziehen hat, erstattet werden. Das geschieht ja für die Reichen derzeit für die ersten zwei Lebensjahre des Kindes mit dem Elterngeld. Das Prinzip ist also an sich schon in Kraft gesetzt. Es muß jetzt nur für alle Eltern und bis mindestens zum Ende des Grundschul-Alters des jüngsten Kindes durchgesetzt werden. Oder wie siehst Du das? - Wenn Dir jemand einfach so 600.000 Euro klaut - wie reagierst Du? - Oder wieviel hattest Du bisher Verdienstausfall durch Übernahme von Mutterschaft? Mehr oder weniger als 600.000 Euro? Das ist ja nur erst mal so eine Faustregel. In alter Währung sind das übrigens 1 Million Deutsche Mark. Und wenn Deine Kinder alle volljährig sind und der bundesdeutschen Wirtschaft als Humankapital zur Verfügung stehen, sind sie noch mehr wert. Nach der Faustregel von Herrn Kirchhof: 180.000 Euro mal sechs, also etwa 1 Million Euro, 2 Millionen Deutsche Mark.

Soweit ich sehe, muß der Verdienstausfall erstattet werden (durch ein "Erziehungsgehalt") und das dann versteuert werden wie alle Gehälter. (Also versteuert werden muß ein Brutto-Verdienstausfall.) Und die Grundversorgung der Kinder (Essen, Kleidung, Wohnung etc.) muß durch alle finanziert werden, wie ja auch die Schulen durch alle finanziert werden, weil alle davon profitieren. Das müssen Eltern und Kinderlose so wie bisher durch ihre Steuern finanzieren. Aber gerecht und für jeden über- und durchschaubar und dadurch wenig täuschungsanfällig (von Seiten von Lobby-Gruppen) kriegt man das nur hin - soweit ich sehe - wenn man den Verdienstausfall (bzw. mindestens ein Kindergärtnerinnen-Gehalt) wie ein normales sonstiges Gehalt behandelt (und versteuert). Damit es in gleicher Weise zum Aufbringen der "Kinderrenten", der Finanzierung der Schulen usw. beiträgt wie alle übrigen Gehälter.

Für eine vernünftige Familienpolitik gibt es also dann nur zwei Bestandteile:
1. ein Erziehungsgehalt bis zum Ende des Grundschulalters des jüngsten Kindes
(= Erstattung des Verdienstausfalls)

2. eine "Kinderrente" zur Sicherstellung der Grundversorgung der Kinder
Und Kinderfreibeträge, Kindergeld, die Leistungs(un-)gerechtigkeit gar nicht übersichtlich und deutlich werden lassen, muß es dann nicht mehr geben. So mein derzeitger Stand. Ich hab dazu ja auf meinem Blog schon einiges zitiert: der "5. Familienbericht" von 1994, sowie die Studie des wissenschaftlichen Beirats des Familienministeriums von 2001 "Gerechtigkeit für Familien". Sie gehen grundsätzlich beide von dem gleichen von mir soeben genannten Prinzip aus, daß der Verdienstausfall erstattet werden müsse. Ebenso vom Tenor her gesehen verschiedene Bundesverfassungsgerichts-Urteile. Ebenso die Sozialreformer Gerhard Mackenroth und Winfried Schreiber, die der Adenauer-Regierung die Alters- und Kinderrenten-Reform vorschlugen, von denen die Adenauer-Regierung aber nur die Altersrenten-Reform verwirklichte. Das sind alles keine Randfiguren oder Rand-Literatur in der bundesdeutschen Wissenschaft und Sozialpolitik. Die Kinderrenten-Reform muß jetzt mit 50-jähriger Verzögerung und nach einem schon erfolgten tiefen Einbruch im (demographischen) Lebensbaum unserer Gesellschaft kommen.

Übrigens: Soll meine Mutter (siehe St. gen.) sich stillschweigend damit begnügen, daß sie schon von der Adenauer-Regierung um sagen wir 1 Million DM geprellt wurde? Sollte man das Geld nicht zurückverlangen? Ich denke: schon.

Der Mißstand, der sich aufgehäuft hat, seit Konrad Adenauer so kaltschnäuzig sagte, "Kinder bekommen die Leute von alleine", muß in seinem ganzen - schon rein finanziellen Umfang - zunächst einmal nur aufgezeigt werden. Und es muß wehtun. Es gibt irgendwo in der Welt Menschen, die die eine Million DM besitzen, die meiner Mutter zustehen und nicht diesen Menschen.

Und wenn sie diese 1 Million DM hat, werde ich ihr vorschlagen, ihren Beitrag zur Abgleichung der Reinigungskosten zu übernehmen. Ich wollte Eier auch gar nicht gegen geschlossene Fenster werfen. Oder höchstens gegen moderne Doppelglasscheiben. Und keine hartgekochten Eier, sondern nur ganz weiche. Aber möglichst faulige. (Ebenso Tomaten.)
Na! Herzliche Grüße!

PS: Übrigens betreffen diese Dinge auch alle Unverheirateten und Kinderlosen. Denn man wird wesentlich leichter zum Heiraten entschlossen sein und zum Kinderhaben, wenn man weiß, daß die materielle Basis der Familie sichergestellt ist.

Montag, 25. Juni 2007

Komplexes, halbseßhaftes Gruppenleben bei Homo erectus?

Über Gene Expression (Razib Khan) wird man auf neue Forschungen des Hamburger Archäologen Helmut Ziegert aufmerksam (Times), die derzeit von Wissenschaftlern als ein "Quanten-Sprung" in der wissenschaftlichen Erforschung der Humanevolution erachtet werden:

Our earliest ancestors gave up hunter-gathering and took to a settled life up to 400,000 years earlier than previously thought, according to controversial research. (...)

Professor Ziegert claims that the thousands of blades, scrapers, hand axes and other tools found at sites such as Budrinna, on the shore of the extinct Lake Fezzan in southwest Libya, and at Melka Konture, along the River Awash in Ethiopia, provide evidence of organised societies.
He believes that such sites show small communities of 40 or 50 people, with abundant water resources to exploit for constant harvests. (...) He will publish his findings this month in Minerva, the archaeology journal. (...)

Sean Kingsley, an archaeologist and the managing editor of Minerva, said: “This research is nothing less than a quantum leap in our understanding of Man’s intellectual and social history. For archaeology it’s as radical as finding life on Mars.

“As a veteran of over 81 archaeological surveys and excavations . . . Ziegert is nothing if not scientifically cautious, which makes the current revelation all the more exciting.”
Razib Khan weist in diesem Zusammenhang ganz richtig auf die Forschungen von Robin Dunbar hin, der die Korrelation von Gruppengröße und Gehirngröße erforscht. Ich glaube aber, einen so großen Durchbruch werden die Forschungen Ziegerts doch nicht bedeuten. Denn schon die Gruppen von Schimpansen können ja, wenn man sich recht erinnert, bis zu 30 Individuen umfassen. Hat man von solchen Gruppen-Größen bei Homo erectus nicht immer schon ausgehen müssen? Vielleicht war der Homo erectus nur allzu häufig - genauso wie die Schimpansen - aufgrund der ökologischen Bedingungen gezwungen, sich in Kleinfamilien aufzuteilen und konnte sich deshalb nur selten für mehrere Monate an größeren Seeufern gemeinsam in größeren Gruppen niederlassen. Das ist ja auch noch der Lebensrhythmus der Buschleute in der Kalahari gewesen.

Gläubiger Christ und Lügner - folgerichtig oder ein Gegensatz?

"Du sollst nicht lügen," heißt es in der Bibel. Und Tony Blair bezeichnet sich als gläubigen Christen und hat die demokratische Öffentlichkeit auf Teufel komm raus belogen. (Zeit) Und kein Aufschrei, keine Distanzierung in den großen Kirchen? Bei der katholischen Kirche und ihrem Vertuschen von Skandalen muß einen das nicht allzu sehr wundern. Und wie sieht es mit den protestantischen Kirchen aus? Die "Zeit" schreibt:

»Moralität« heißt im Westen überwiegend ein auf monotheistischen Restvorstellungen beruhender großer Simplifikationsapparat.

Also: Die Guten und die Bösen.

Wer weiß, dass er die Weltsituation in Umrissen richtig überblickt und moralisch korrekt beurteilt, kann sich die Mühe einer genauen Kenntnisnahme der vielen Details sparen. Wenn die Aufgabe unendlich wichtig ist, sind kleine oder auch größere Unwahrheiten lässliche Sünden. Was zählt schließlich eine kleine Lüge verglichen mit der Bekämpfung des Terrors?

Das ist genau diejenige Moral und Ethik, die mir als zutiefst verabscheuenswert erscheint. (Dazu zuletzt hier oder hier.) Es sind die typischen Lügnereien der "Public Relation-Industrie", die wir in vielen Dingen schon so verinnerlicht haben, daß wir in ihnen schwimmen wie in Kakao (und den Kakao trinken, durch den man uns zuvor gezogen hat - Erich Kästner). Und wenn darunter auch Menschen, Gesellschaften leiden, sterben - egal. Hauptsache uns geht's gut.

Vor der Invasion des Iraks hat eine Gruppe führender Nahostexperten bei Tony Blair vorgesprochen, um ihn vor den Folgen einer unüberlegten Entscheidung zu warnen. Die Situation im Irak sei sehr komplex, man könne das Gleichgewicht der politischen, religiösen, und nationalen Kräfte leicht stören, man müsse vorher genau wissen, was man vorhat, wie man die Besetzung des Landes zu organisieren gedenke und so weiter. Blair soll nur widerwillig und gelangweilt zugehört haben, die Reden der Akademiker aber immer wieder mit derselben Frage unterbrochen haben: »Saddam ist aber ein Bösewicht, nicht wahr?« (»But Saddam is evil, isn’t he?«).

Selbstverständlich (!!! man höre auf den Kakao: "selbstverständlich"!!!) hat Blair eine Reihe ganz normaler, dicker Lügen erzählt und ist ein Meister im gezielten Gebrauch der Halbwahrheiten. So hat er das britische Parlament wiederholt über die Zielsetzung seiner Irakpolitik belogen. Dass Saddam Hussein einen Krieg verhindern und unbehelligt an der Macht bleiben könne, wenn er sich nur dem Willen der UN beugte, hat Blair monatelang verkündet, obwohl er schon mit George W. Bush beschlossen hatte, Saddam in jedem Fall, gegebenenfalls mit militärischer Gewalt, zu stürzen. Er hat vertrauliche, von den britischen Sicherheitsdiensten vorgelegte Analysen, die zu dem Schluss kamen, Hussein stelle keine Gefährdung des Friedens im Nahen Osten dar, in ihr Gegenteil verkehrt und in dieser gefälschten Form veröffentlicht. Die französische Position in der Frage der sogenannten »zweiten Irak-Resolution« hat er zielbewusst falsch dargestellt, um die »Schuld« für das Nichtzustandekommen dieser Resolution den Franzosen anzulasten. Von solchen Beispielen ließen sich noch weitere anführen.

- Wer sich da nicht an die Geschichte des 20. Jahrhunderts erinnert fühlt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Blair ist genau so ein Lügner wie Gerhard Schröder, wie Joschka Fischer, wie Wladimir Putin und so unendlich viele andere in dieser Traditionslinie. Fast scheint das ein Auswahlkriterium für Politiker zu sein: Wer am besten lügen kann, ist am besten geeignet Kanzler, Minister oder Präsident zu werden. Tony Blair jedoch wird - wie alle seine Freunde - ein hochgeachteter Mann bleiben ... - Und wie, wenn "all das" tatsächlich am Christentum läge?

Ich glaube, Richard Dawkins muß noch einen Nachfolge-Band schreiben zu genau dieser Thematik.

Kann der Kampf selbst eine Religion sein?

"Früher war alles viel leichter" - Ein alter Kopfjäger erzählt ...

Noch heute überkommt einen ein sehr sonderbares Gefühl, wenn man auf andere, sehr andere Kulturen und ihre sehr anderen Denkweisen und Gebräuche aufmerksam gemacht wird. Aber vielleicht kann man sich ja auch in einfachen, abgelegenen Kulturen über "thymotische Energien" informieren? Aglaja Stirn und Peter van Ham haben die Kopfjäger im Nordosten Indiens besucht. Ihre Forschungen, die sie auch schon in Buchveröffentlichungen und in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben, finde ich unglaublich spannend. Sie waren nach fünfzig Jahren die ersten Weißen, die diese Gebiete wieder bereisen durften. Und sie berichten unter anderem (Paraplui, Winter 2001/2002):


... Einer dieser ehemaligen Kopfjäger ist Lohang Hoto (Bild rechts), ein 75 Jahre alter Mann mit warmherzigen, freundlichen Augen in seinem ledrigen Gesicht, der uns in einem grauen T-Shirt mit aufgedruckten Teddybären empfängt. Auf der Veranda seines Hauses bitten wir ihn, aus den Tagen der Kopfjagd zu berichten. Früher, so sagt er, sei alles viel leichter gewesen. Da habe es sie, die Nocte, gegeben, und ihre Feinde, die Wancho. Jedes Jahr zwischen Ernte und Aussaat haben die großen Baumstammtrommeln verkündet, daß nun die gefährliche Zeit beginne -- die Zeit der Kopfjagd. Denn Köpfe seien wichtig gewesen: für die Fruchtbarkeit der Felder und die Fruchtbarkeit des Dorfes. Man sei ausgezogen mit den anderen Jungen aus dem Junggesellenhaus und habe seinen Mut unter Beweis gestellt, indem man der Forderung nach Steigerung der Fruchtbarkeit nachkam und die Wancho überfiel. Zusammen habe man die Feinde geköpft, sei nach Hause geeilt, um dem Häuptling die Trophäen zu übergeben, und dieser habe dann mit dem Ältestenrat die Belohnungen festgelegt: spezielle Stoffe und Amulette, Erlaubnis zur Hausdekoration, Heiratsbewilligung, Tätowierung!

Auch er, Lohang Hoto, habe sein Tattoo erhalten: für den Kopf, den er dem Häuptling zu Füßen gelegt habe, die kunstvollen Linienanordnungen auf der Brust und dafür, daß auch sein Speer sich in das Blut eines von anderen erlegten Feindes gesenkt habe, die Querstreifen am Oberarm. Da springt Lohang plötzlich auf, schwingt den dao, seinen Kopfjägerdolch und fällt in einen eigentümlichen Singsang. Lohang singt von den ruhmreichen Zeiten, von Mut und Stärke, von der Feigheit der Wancho, vom Abtrennen des Kopfes, von der Kraft, mit der er nach der Jagd die Frauen beglückt habe. Doch dann bricht der Alte plötzlich ab und setzt sich wieder. Das Lied ist auf den Vorgang der Tätowierung zu sprechen gekommen. Wir fragen Lohang nach dem Grund für sein Verstummen. Nun, antwortet er traurig, kurz nach seiner erfolgreichen ersten Jagd, seien die Engländer mit ihren Waffen gekommen und hätten die Kopfjagd unter Androhung von schweren Strafen verboten. Da es ihm fortan nie mehr vergönnt gewesen sei, einen zweiten Kopf zu erbeuten, habe er auch nie seine Tätowierung vervollständigen dürfen. Und so habe er sein Leben halbnackt fristen müssen -- nicht mehr ganz Tier aber auch noch nicht ganz Mensch, sagt er und weist damit auf die zentrale Rolle der Tätowierung in seinem Volk hin: Tätowierung ist Kulturgut. Sie steht als unmittelbares Zeichen dafür, daß er, Lohang Hoto, mit seinem Akt der Kopfjagd die Fruchtbarkeit seines Volkes gemehrt hat, daß er dazu beigetragen hat, daß seinem Volk Wohlstand zuteil wurde -- Wohlstand, der nur aus guten Ernten entsteht und den Frauen seines Volkes das Weben neuer Stoffe ermöglicht, den Männern das Schnitzen neuer Skulpturen, das Gießen neuer Amulette, das Errichten neuer Gedenksteine... Und diese Fähigkeit, Kultur zu schaffen unterscheidet den Mensch vom kulturlosen Tier.
Kann man sich einer gewissen Wehmut beim Lesen dieser Erzählung entziehen? "Früher war alles viel leichter: Es gab die Nocte und ihre Feinde. ..." Ach ja! Alles so wunderschön unkompliziert!

Aber interessant erscheint auch folgendes: Offenbar gibt es bei diesen Stämmen auch die Fähigkeit, ihre eigene Kultur produktiv weiterzuentwickeln und an die modernen Moralvorstellungen anzupassen, ohne dabei die eigene Kultur aufzugeben:

Obwohl die Kopfjagd heutzutage offiziell untersagt ist, praktizieren Wancho wie Konyak-Naga sie immer noch -- allerdings nur noch in symbolischer Weise. Will ein Wancho-Jüngling heiraten, verstecken seine Stammesangehörigen eine hölzerne Figur auf dem Territorium eines verfeindeten Nachbarn. Der jugendliche Krieger zieht mit seinem Gefolge los, jagt und erlegt den 'Feind' und bringt den Kopf als Trophäe heim. Manchmal wird es auch als ausreichend angesehen, Gras oder Büsche von einem feindlichen Territorium mitzubringen -- wobei das Gras die Haare des Feindes symbolisiert. Nun kann sich der erfolgreiche 'Kopfjäger' dem Tätowierungsritus unterziehen, der ihn fortan als Mann auszeichnet und ohne den es unmöglich ist, zu heiraten. ...
Ja, ja: "früher" !!! ....

Der Kampf ist Religion

Noch ein Gedanke: Zwischen Religiosität und "thymotischen Energien" können offenbar die vielfältigsten Beziehungen bestehen. Peter Sloterdijk hat da möglicherweise erst die Spitze eines Eisberges entdeckt. Wenn Religionswissenschaftler Michael Blume sagt (oder vermutet): Die Männer, die die religiösesten waren, hatten - auch bei Jäger/Sammler-Völkern die meisten Kinder, so kann das vielleicht erweitert werden zu dem Satz: Für viele Stämme und Völker gilt sicherlich: Wenn ihre Religion der Kampf war auf jeden Fall. Man denke doch nur auch an die Yanömamö im südamerikanischen Regenwald, die - offenbar - hochgradig ADHS-veranlagt sind, und für die die Korrelation von "Kampfestüchtigkeit" und Kinderreichtum von der soziobiologischen Forschung ja schon nachgewiesen ist.

Und wie nähme sich in diesem Umfeld die Religiosität der modernen Weltreligionen aus? Lehren sie doch bemerkenswerterweise alle vor allem die Friedfertigkeit. Der Buddhismus ebenso wie das Christentum.

Der widersinnige Aktionismus der Frau von der Leyen

In einem neuen Interview (Berliner Morgenpost) wird Frau von der Leyen gefragt:

Die Befürworter des Betreuungsgeldes wollen aber vor allem den Wegfall eines Einkommens abfedern.

- Man beachte das Wort: "abfedern". Abfedern hat mit Leistungsgerechtigkeit gar nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun. Aber wie nichtssagend antwortet nun Frau von der Leyen?

Derzeit unterstützt die Gesellschaft diese Familien über das Ehegattensplitting und die kostenlose Krankenversicherung mit rund 27 Milliarden Euro jährlich. In Kinderbetreuung investiert der Staat bisher rund zehn Milliarden Euro. Deshalb holen wir da jetzt auf. 2013 können wir schauen, ob die Balance stimmt.

Das ist unwahrscheinlich - Entschuldigung! - lahmarschig. Man kann auch sagen: bösartig. Eine moderne Familienpolitik wie sie seit Jahrzehnten von den Experten und vom Bundesverfassungsgericht gefordert werden, ist das alles nicht. Die derzeitige Familienpolitik - Gary Becker sagte das schon im "Spiegel" - wird an der Geburtenrate so gut wie gar nichts ändern. Sie ist nur "Aktionismus", um die Gewissen zu besänftigen. Selbst wenn man den "Spiegel" oder die "TAZ" liest, hat man das Gefühl, daß das im Grunde jeder ahnt. Nur traut es sich niemand zu sagen: Der Kaiser ist nackt.
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