Samstag, 29. September 2007

Richard Dawkins und Giordano Bruno treffen sich auf der Buchmesse in Frankfurt am Main

Für Religionskritiker und kirchenfreie Religiöse in Deutschland wird die Verleihung des Deschner-Preises an Richard Dawkins am 12. Oktober in Frankfurt eines der wichtigsten Ereignisse in diesem Jahr und zumal auf der Buchmesse sein. (Deschner-Preis.de) Sie findet statt in der Aula der Universität Frankfurt auf dem Campus Bockenheim, Einlaß - freier Eintritt - ab 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr.

Hier der Programmablauf:

Filmeinspielung:
„Heidenspaß statt Höllenqual: Eine kurze Geschichte der gbs“ (Ricarda Hinz)

Begrüßung (Dr. Carsten Frerk)

Preisbegründung:
Warum die Giordano Bruno Stiftung Richard Dawkins mit dem Deschner-Preis auszeichnet (Dr. Michael Schmidt-Salomon)

Filmeinspielung:
"Aufklärung ist Ärgernis: Deschners Aphorismen" (Ricarda Hinz)

Gedanken zur Vergabe des Deschner-Preises (Dr. Karlheinz Deschner)

Filmeinspielung:
Richard Dawkins: "The Root of all Evil"

Laudatio auf den Preisträger Richard Dawkins (Prof. Dr. Franz M. Wuketits)

Feierliche Übergabe des Deschner-Preises durch Herbert Steffen und Dr. Ernst Salcher (Vorstand der Giordano Bruno Stiftung)

Dankesrede
(Prof. Dr. Richard Dawkins)

Schlussmoderation (Dr. Carsten Frerk)

Outro: Always look on the bright side of life (Monty Python)

***

Ende des Festakts ca. 20:30 Uhr

Danach: Ausklang im Foyer

Für mich stehen fast nur hochinteressante Redner auf dem Programm. Michael Schmidt-Salomon hat, wie mehrmals hier auf dem Blog ausgesprochen, in den letzten Fernseh-Sendungen mit ihm einen ganz hervorragenden Eindruck gemacht, äußerst kluge Gedanken geäußert und - nach meinem Gefühl - sehr weise und auch gelassen, ausgewogen und heiter argumentiert. Über Karlheinz Deschner, den Verfasser der "Kriminalgeschichte des Christentums" muß unter Kennern gar nichts mehr gesagt werden. Und dennoch wird es von großem Interesse sein zu hören, was er aktuell zu den Debatten rund um Richard Dawkins' "Gotteswahn"-Buch zu sagen hat.

Dann aber wird außerdem der Wiener Soziobiologe Franz Wuketits sprechen, ebenfalls ein Verfasser vieler hochinteressanter Bücher über Soziobiologie, sowie Biologie und Evolution allgemein. Daß es von großem Interesse sein könnte, einmal Richard Dawkins "live" zu erleben, braucht wohl ebenfalls kaum noch betont zu werden.

Man könnte also jedem nur dringlichst empfehlen, an dieser Veranstaltung teil zu nehmen, so es möglich ist, und zumal wenn man es für plausibel halten könnte, daß der angekündigte "freie Eintritt" bei einem so großen Andrang wie er erwartet werden kann, irgendein Sinn zugesprochen werden kann. (Die Aula ist - wenn mir das recht in Erinnerung ist - so groß nicht. Und schon seit Monaten verspricht die GBS "Sitzplatzreseverierung" für Förderer und Journalisten.)

Freitag, 28. September 2007

Neues zur genetischen Geschichte der Klicksprachenvölker in Südafrika

Die wenigen heutigen Völker in Südafrika, die noch eine Klicksprache sprechen, sprechen höchstwahrscheinlich die älteste Sprache der Menschheit, da diese Völker und Stämme (Buschleute und andere) auch genetisch an der Wurzel des Stammbaumes der Menschenvölker stehen. Es war bis heute aber noch nicht klar, warum die verschiedenen südafrikanischen Klicksprachen-Stämme heute so weit voneinander entfernt leben und untereinander jeweils ganz unterschiedliche Sprachen sprechen.

Bekannt ist, daß sich zwischen ihnen vor etwa 2.000 Jahren aus dem Norden zugewanderte Bantu-sprechende Rinderzüchter ansiedelten und sich mit ihnen - oft - vermischten. Das sind also jene Schwarzafrikaner, deren Nachkommen heute die Bevölkerungsmehrheit in Südafrika darstellen, und deren Vorfahren ursprünglich aus Westafrika stammten. Ihnen gegenüber sind die Buschleute viel hellhäutiger und kleinwüchsiger.

Nach neuen genetischen Untersuchungen (Dienekes) haben sich die heute noch lebenden Klicksprachen-Völker in Süd- und Ostafrika genetisch schon vor 35.000 bzw. 15.000 Jahren getrennt. Zu ihnen gehören die Sandawe, nur die 150 Kilometer von den Hadza entfernt leben (beide in Tansania), die beide als einzige in Ostafrika zu den Klicksprachen-Völkern gehören. Nun haben sich die Sandawe schon vor 35.000 Jahren genetisch von den südafrikanischen Buschleuten getrennt aber überraschenderweise auch schon vor 15.000 Jahren von den ganz benachbart lebenden Hadza.

Rassische Kategorisierung in der Medizin - Neue Diskussionsbeiträge

Wie sinnvoll ist rassische und ethnische Kategorisierung in der medizinischen Forschung und in der medizinischen Praxis? Diese Fragen werden erneut in "PlosMedicine" diskutiert. (1, 2, Gene Expression)

Wenn ich einige der Argumente richtig verstehe, dann stellen die Forscher derzeit nicht mehr grundsätzlich infrage, daß eine solche Kategorisierung sinnvoll ist. Denn sie erkennen wie schon so manche vor ihnen, daß Nichtbeachtung rassischer und ethnischer Unterschiede in der Medizin zu massiver medizinischer Benachteiligung von ethnischen und rassischen Minderheiten gegenüber Mehrheitsbevölkerungen mit sich bringen können.

Was die Forscher nun aber einfordern, ist eine möglichst differenzierte Herangehensweise an das Problem. Sie fordern eine genauere und striktere Unterscheidung zwischen rassischer Kategorisierung als beschreibendes Kriterium und derselben als erklärendes Kriterium von Gesundheits-Zuständen. Unterschiede im Gesundheitszustand von verschiedenen rassisch oder ethnisch beschreibbaren Personengruppen können ja tatsächlich sowohl genetische wie soziale Ursachen haben.

Und allzu oft erweist sich eine mangelnde Berücksichtigung des einen oder des anderen Ursachenfeldes als fehlerhaft bei der Gesamt-Beschreibung der Ursachenbündel. Außerdem fordern die Forscher eine internationale Konferenz zu diesem Thema auf höchster Ebene, um in diesen Fragen einen Konsens zwischen den Ärtzen und der medizinischen Forschung weltweit herbeizuführen. Dieser Forderung kann wohl nur zugestimmt werden, nachdem die ersten Konferenz zu diesem Thema an der Washington-Universität im Jahr 2003 auf längst veraltetem Forschungsstand ihre ersten noch sehr kurzgegriffenen Schlußfolgerungen gezogen hatte.

Donnerstag, 27. September 2007

Giordano Bruno sagt ...

Giordano Bruno war einer der ersten, der außerirdisches Leben für hochplausibel hielt. In dem Zusammenhang äußerte er auch folgenden Gedanken (Michael Blume):
"
Wir brauchen die Gottheit nicht in der Ferne zu suchen; denn sie ist uns nahe und sogar tiefer in uns als wir selbst. Ebensowenig dürfen die Bewohner der anderen Welten die Gottheit bei uns suchen; denn auch sie haben sie bei sich und in sich." (Giordano Bruno)
Das ist ein schöner und wichtiger Satz des Giordano Bruno, der - wieder einmal! - zeigt, daß Atheisten nicht das geringste Recht haben, Giordano Bruno als ihnen zugehörig zu deklarieren.

Aber eigentlich steckt noch mehr in dem Satz. Er sagt: Weder "wir" sollten "außerirdisches Leben" christlich missionieren, noch auch sollten "wir" uns von anderem außerirdischen Leben religiös missionieren lassen: Schööööön .... ! :-)

Michael Blume schreibt im Zusammenhang dieses Giordano Bruno-Zitates,
"... dass die Diskussion interstellarer Fragen auch immer eine Möglichkeit ist, zu den Dingen und Positionen eine neue Perspektive einzunehmen und historische sowie naturwissenschaftliche Erkenntnisse überraschend neu zu verknüpfen und entdecken. Wer z.B. über außerirdisches Leben und mögliche Religionen ernsthaft sinniert, dem wird die lächerliche Intoleranz mancher Zeitgenossen, die sich für allwissende Zentren des Universums halten, noch ein Stück bewusster. Gleichzeitig wächst der Respekt vor jenen, die sich bereits vor Jahrhunderten das Denken nicht verbieten ließen. Denn selbst wenn wir (was ich nicht glaube) das einzige Leben im Universum wären: im Umstand der unfassbaren Größe und Majestät des Universums liegt eine tiefe Weisheit verborgen, der nachzusinnen sich lohnt."
- Ich frage dort im Kommentar: AUCH???? Wie kann man noch etwas anderes als Ausgangspunkt für sein Weltbild nehmen, als die Diskussion interstellarer Fragen?

Im übrigen empfehle ich immer wieder die beiden Bücher (zu dieser Thematik)

1. "Inevitable Humans in a LONELY Universe" (von Simon Conway Morris)
2. "Einsame Erde" (von Peter Ward)

Das nur, um zu betonen, daß es zu der These von der Existenz außerirdischen Lebens auch wichtige wissenschaftliche Gegenpositionen derzeit gibt. Auch der deutsche Paläontologe Heinrich K. Erben wäre hier zu nennen. (Amazon/Studium generale)

Damit soll gesagt sein: Vom wissenschaftlichen Standpunkt ist die Frage noch längst nicht geklärt, ob es genau wir Menschen hier auf dieser Erde sind - und "niemand" anderer -, die Sinn und Ziel dieses Weltalls waren. Wahrscheinlich spricht derzeit sogar wesentlich mehr dafür als dagegen.

Aber wenn man - allein vom Komplexitätsgrad her gesehen - im "Zentrum" des Universums steht, kann sich daraus zunächst eigentlich nur eine Haltung großer Demut und des Verantwortungsbewußtseins (Hans Jonas) ableiten. Erst wenn man das Gefühl hätte, man würde dieser Stellung auch irgendwie gerecht werden, könnte man allmählich auf diese Stellung vielleicht auch irgendwie stolz sein.

Also müßte man ungefähr so argumentieren und denken wie ein Herrscher in einer Erbmonarchie: Vielleicht bin ich tatsächlich "der Staat" ("l'etat c'est moi") (also hier für: der Sinn des Universums) - aber werde ich dem wirklich gerecht, wenn es so wäre? Bzw.: Was würde das für mein Selbst- und Weltbild eigentlich bedeuten? Etwa Selbstgerechtigkeit? Das wäre doch absurd.

Stolz könnte man vielleicht erst sein, wenn einem irgend etwas im Sinne des Geschichtszieles Hölderlins gelingen würde ("Brot und Wein"):
Drum in der Gegenwart der Himmlischen würdig zu stehen,
Richten in herrlichen Ordnungen Völker sich auf ...

Eva Herman - die Medien sind komplett durchgeknallt

Ein Leser schreibt an "Stud. gen.":
.... hier ist das Originaltondokument zu der „umstrittenen“ Aussage von Eva Herman:

http://www.duesseldorf-blog.de/audio/Eva_Herman.mp3

http://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Herman

Es ist sehr aufschlussreich, daß dieser Audiomitschnitt deutlich von der Darstellung der meisten Medien abweicht. Nach meinem Gefühl kann man Hermans Aussage in diesem Sinnzusammenhang voll bejahen. Ihre Rede scheint in jedem Fall völlig ungeeignet als Entlassungsgrund zu sein. Ähnlich wie in der verflossenen DDR scheint sich die mediale Meinungsnorm zunehmend vom Empfinden der Menschen abzukapseln.
"Stud. gen." meint: Es fehlen einem die Worte dazu, wie aus einem so harmlosen Gerede ein Skandal gemacht werden kann. Grotesk. Abscheulich. (Beim Duesseldorf-Blog gibt's weitere Verweise.)

Mittwoch, 26. September 2007

Rehabilitierung einer menschen- und kulturverachtenden Ideologie?

In einer Doktorarbeit des deutschen Historikers Jörg Später, die 2003 erschienen ist (Amazon), wird die politische Ideologie des Vansittartismus (Wikipedia) neu aufgearbeitet und kritisch bewertet. Das Resümee dieses Buches lautet: "Im Falle Vansittarts handelte die Unvernunft im Sinne der Vernunft." (S. 447)

Jörg Später versucht also in gewisser Weise die "Rehabilitierung" einer bis heute von fast allen politischen Richtungen und Historikern vieler Nationen, besonders auch der britischen, schwer verurteilten politischen Ideologie. Diese Ideologie behauptete, daß alles Unheil der europäischen Geschichte seit den Tagen des Cheruskerfürsten Arminius von Deutschland ausgehen würde. Diese Ideologie wurde 1940 in großes Aufsehen erregenden Sendungen der BBC verbreitet und diente dazu, die Kriegsbereitschaft in Großbritannien aufrechtzuerhalten und zu verstärken. Sie wurde auch niedergelegt in dem Buch "Black Record" von Lord Vansittart, einem langjährigen führenden britischen Diplomaten im Auswärtigen Amt.

Jörg Später führt in seiner Einleitung (S. 7 - 18) viele Zeugnisse für die Verurteilungen dieser Ideologie auf, die ganze breite Front der ablehnenden Stimmen von Politikern wie Willy Brandt über Historiker wie Hans Rothfels, Dietrich Aigner oder Caspar Schrenck-Notzing bis hin zu unzähligen Stimmen deutscher Emigranten aller politischer Richtungen und auch zahlreiche britischer Historiker. (Übrigens wäre in dieser Reihe auch der damals als Emigrant in England lebende Maler Oskar Kokoschka einzuordnen, der sich in die damalige öffentliche Debatte in Großbritannien einzumischen versuchte.)

Der Fehlschluß, den Jörg Später begeht, ist klar folgender: Er macht sich nicht klar, WELCHE Kriegsziele infolge des weit verbreiteten Vansittartismus von seiten einer "demokratischen" Öffentlichkeit kritiklos hingenommen wurden. Diese Kriegsziele und die Methoden zu ihrer Herbeiführung (z.B. unterschiedslose Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung usw.) waren es aber erst wohl - letztlich -, deren Verwirklichung der Vansittartismus und die Propaganda für ihn ermöglichen sollten. Diese Kriegsziele waren spätestens seit 1941 (also vor Bekanntwerden von Ausschwitz - worauf schon die deutschen Historiker Dieter Hildebrand und Andreas Hillgruber während des Historikerstreites hinwiesen): Vertreibung der Deutschen bis zur Oder durch Bolschewisierung Osteuropas bis zur Elbe, also das bewußte Benutzen stalinistischer Methoden zur Durchsetzung "demokratischer" (???) Kriegsziele. Mehr dazu siehe beispielsweise auch hier: (Lulu.com/Ingo Bading)

Wenn also auch die letzte "Absicht" (oder das Resümee) dieses neuen Buches über den Vansittartismus zurückgewiesen werden muß, so kann doch das breite benutzte Quellenmaterial und die Aufarbeitung eines umfangreichen Stoffes als sinnvoll anerkannt werden.

Freitag, 21. September 2007

"Gottes größter Moment ..."

Im neuesten Rundbrief der "Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen" behandelt Matthias Pöhlmann den amerikanischen religiösen Bestseller-Autor Neale Donald Walsch, dessen Leben neuerdings verfilmt wurde. (EZW) Der viel verkaufte Buchtitel von Walsh lautet: "Gespräche mit Gott".

Walsh wird mit den Worten zitiert: "Gottes größter Moment ist der Augenblick, in dem die Menschen erkennen, dass sie keinen Gott brauchen!"

Meine Anmerkungen:

1. Woher weiß Walsh, was Gottes größter Moment ist???
2. Gott hat also auch kleinere Momente außer seinem größten? - So so. - Wer die Bibel kennt, weiß von den vielen "kleine(re)n" Momenten Gottes ..., den zum Teil sogar sehr, sehr kleinen Momenten ...
3. Entschuldigung also: ... was für ein Quatsch ....

Und Entschuldigung an die gutherzige Freundin, die mich schon vor langen Jahren auf Walsh hinwies und meinte, in seinen Büchern sei manches Wertvolle zu finden. Beim groben Durchblättern war es mir damals nicht gelungen, dieses Wertvolle zu finden. Sicherlich zu meinem eigenen Schaden ...

Donnerstag, 20. September 2007

Künstlerstadt Bremen

Im vorigen Beitrag wurde die Kunsthalle Bremen erwähnt. Diese und Bremen an sich sind jederzeit eine Reise wert, was mit den nachfolgenden Bildimpressionen belegt werden soll.

Abb. 1: Bremen - In den Wallanlagen
In den Wallanlagen


In den Wallanlagen, Erläuterung:









von Gerhard Marcks


Das Bismarck-Denkmal vor dem Bremer Dom


"Es stützt der Friede sich aufs Schwert, im Schweigen wächst die Tat."


Der vorige Spruch auf dem Moltke-Denkmal
- in unmittelbarer Nähe des Bismarck-Denkmales in Bremen.

Das politische und militärische Wirken dieser beiden Männer hatte die künstlerische Entfaltung nach 1900 in einem politisch noch einigermaßen stabilen Europa überhaupt erst ermöglicht.


In der Kunsthalle Bremen reichhaltig Kunst von Weltrang, hier:
Lovis Corinth



Hier ein - doch - recht hübsches Kind ... (von wem auch immer ...)

Ingres - dargestellt vom Bildhauer Bourdelle, 1908


Anselm Feuerbach

Rainer Maria Rilke und Worpswede

Im Jahr 2003 veranstaltete die Kunsthalle Bremen eine Ausstellung zu dem Buch "Worpswede" von Rainer Maria Rilke. Der Begleitband zur Ausstellung (Amazon, Rilke.Worpswede.de) läßt einen vieles Neue sowohl über Rilke wie über die Künstlerkolonie Worpswede lernen.

Von den Rilke-Kennern ist das Worpswede-Buch Rilke's bis heute nicht ausreichend in seiner Bedeutung erkannt worden, das wird in diesem Ausstellungsband verdeutlicht (S. 270ff). Der Ausstellungs-Band gibt nicht nur die Schrift selbst wieder, sondern viefältige Informationen zu ihrer Entstehungsgeschichte und Wirkung. (Daß in den ebenfalls mitgegebenen "Kommentaren" die heutigen Kunstwissenschaftler sich fast alle vornehmer und urteilssicherer dünken als Rilke, darüber kann - und sollte man wohl - schnell hinweglesen.)

Rilkes Worpswede-Buch steht zeitlich zwischen seiner bedeutsamen Rußland-Reise - zusammen mit Lou Andreas-Salome - und seinem Paris-Aufenthalt bei Auguste Rodin. Es entstand in der kurzen Zeit seiner glücklichen Ehe mit der Worpsweder Bildhauerin Clara Westhoff, als er mit ihr im Nachbardorf von Worpswede ansässig war und in engem Austausch mit den Künstlern und ihren Frauen stand. (S. 230ff) Auf eine zweite Rußland-Reise hatte Rilke verzichtet, um diese Worpsweder Künstlerin zu heiraten. Der Maler Fritz Mackensen (berühmt durch sein Bild "Der Säugling" von 1892 - s. S. 39) nennt das Buch "wohl das Hervorragendste, was je über Kunst geschrieben worden ist". (S. 281) Auch der Maler Paul Modersohn äußerte sich - mit Recht - begeistert. (S. 169) Manfred Hausmann, der Schriftsteller, eiferte - wie mancher anderer - der Schrift nach. (S. 277) Ebenso der Worpsweder Maler Heinrich Vogeler, der überraschenderweise nach dem Ersten Weltkrieg Kommunist geworden ist und noch in den 1930er Jahren in der Sowjetunion Schriften zur Sowjetkunst erscheinen ließ, in denen er die Kunst von Worpswede feierte. (S. 284f)

Fritz Mackensen - "Der Säugling" - 1892

Nach Abschluß seiner Schrift ging Rilke also zum Bildhauer Auguste Rodin nach Paris, wo er seine berühmte Rodin-Schrift verfaßte und eine neue, noch vertieftere und gereiftere Einstellung zu Kunst und Leben entwickelte, als sie schon aus der Worpswede-Schrift spricht. Das durchgängig sichere (und treffsichere) Urteil Rilkes in seiner Worpswede-Monographie war nur möglich, weil Rilke selbst innerlich in seinem Leben und in seiner Kunst schon zu der Zeit der Entstehung derselben weiter war als die Maler von Worpswede. Diese standen oft der damaligen Heimatkunst-Bewegung nahe, bzw. entfernten sich niemals allzu deutlich von ihr. So meldete sich bspw. auch der Worpsweder Maler Hans am Ende 1914 kriegsfreiwillig und fiel im Jahr 1918 - sicherlich aus seinem Verständnis heraus auch für die freie Entfaltung einer nationalen, deutschen Kunst, die im deutschen Heimatboden verwurzelt sein sollte.

"Worpswede" und die Schrift Rilkes bleiben Teil des damaligen Aufbruchs zu einer neuen Kunst und - ja, auch: zu einer neuen Religion. Wenn man sich demgegenüber die "Religions-Suche" von heute ansieht, wäre so mancher Anlaß gegeben gegenüber dem damaligen Ernst und der damaligen Gefühlstiefe schamrot zu werden.

Sonntag, 16. September 2007

Das Römerlager bei Hedemünden an der Werra (9 v. - 9 n. Ztr.)

Neben der Entdeckung des Ortes der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Ztr.) (siehe vorvoriger Beitrag) hat es in den letzten Jahren noch andere bedeutsame Neuentdeckungen zu dieser Zeit gebeben. So wurde jüngst bei Hedemünden, einem Ort zwischen Kassel und Göttingen ein Römerlager zum Schutz einer Furt (Flußübergang) über die Werra entdeckt. Hier sind inzwischen ebenfalls hunderte von Fundobjekten geborgen worden, wie der Anschlagtafel im dortigen Wald zu entnehmen ist:


Wenn man auf der A 7 durch das bergige Gebiet zwischen Kassel und Göttingen fährt, kommt man über die imposante, hohe Autobahnbrücke über die Werra (Wikipedia). Gleich hinter der Brücke zieht sich rechterhand ein bewaldeter Bergrücken am Nordufer der Werra entlang nach Osten, auf dem sich heute in einem Kilometer Entfernung von der Autobahn entfernt die Wallreste eines großen römischen Marschlagers befinden:

Mit Fahrrad-Wegweisern ist diese archäologische Stätte vom Ort Hedemünden ausgeschildert. Man fährt am nördlichen Ortsrand an einem großen Sägewerk vorbei.

Google Earth hat in hellen Linien schon die Umrisse der römischen Wallreste auf dem heute bewaldeten Bergrücken eingezeichnet.

Hier die dort aufgestellte Tafel:

Und hier die Übersichts-Skizze dieser Tafel:

Man achte insbesondere auch auf "Lager IV", dessen Wallreste sich den Bergabhang hinab fast bis an den heutigen Ortsrand von Hedemünden und bis an den Rand der heutigen Bundesstraße (B 80) hinziehen.

Hier ein Eindruck von den deutlich sichtbar sich durch den Wald ziehenden Wallresten:


Vom östlichen Waldrand (und Lagerrand) aus kann man (heute) in der Ferne in Richtung Norden die Autobahn sehen, die sich durch das bergige Land nach Osten Richtung Göttingen schlängelt:


Hier noch eine Übersichtskarte:

Hier die Rekonstruktion eines Eingangstores dieses großen Lagers, aus dem eine römische Stadt wie in Regensburg, Augsburg, Mainz oder Köln hätte entstehen können, wenn die Römer dauerhaft in diesem Land hätten siedeln können:

Ein Blick (über Lager IV hinweg) hinunter zur ehemaligen Werra-Furt:

Die Tocharer kommen nach Berlin und Mannheim (... "zurück")

Auf "Studium generale" wurde schon des öfteren über neueste Forschungsergebnisse zur Geschichte Chinas und seiner westlichen Nachbarvölker hingewiesen, insbesondere zu den Tocharern in den Oasenstädten des Tarimbeckens und noch weiter östlich, bzw. zu den Sogdern im heutigen südlichen Afghanistan.

Am 13. Oktober beginnt im Berliner Gropiusbau (gropiusbau.de) eine neue Ausstellung mit dem Titel: "Ursprünge der Seidenstrasse - Sensationelle Neufunde aus Xinjiang, China". Sie wird dann ab Februar 2008 im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim zu sehen sein. Der Ausstellungskatalog (Amazon) ist derzeit noch nicht lieferbar, er wird aber sicher hochgradig spannend sein. In der Ausstellungs-Ankündigung heißt es:
Sensationelle Funde der letzten Jahre aus Xinjiang, der nordwestlichsten Provinz Chinas, sind in der Ausstellung zu sehen. Das älteste Objekt ist 4000 Jahre alt. Im Zentrum stehen jene Menschen, die seit der Bronzezeit die Seidenstraßen rund um das Tarimbecken und die Wüste Taklamakan bewohnen. Die Taklamakan, die zweitgrößte Sandwüste der Erde, zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit extremer Trockenheit auf. Diese Trockenheit, mit der die Bewohner entlang der Seidenstraßen seit Jahrtausenden kämpfen müssen, ist der Grund für den einmaligen Erhaltungszustand der archäologischen Funde.
Den organischen Materialen wie Holz oder Textilien wurde Feuchtigkeit entzogen und ein Zersetzungsprozess nahezu unterbunden. Seid dem Ende des 19. Jahrhunderts sind die Forscher und Abenteurer entlang der Seidenstraßen unterwegs, um die Hinterlassenschaften dieser faszinierenden Kulturen zu entdecken. Die archäologischen Forschungen haben sich in jüngster Zeit maßgeblich intensiviert und professionalisiert; dabei tragen und treten sensationelle Objekte ans Tageslicht, die eindrucksvoll die kulturelle Vielfalt der Oasen des Tarimbeckens darstellen.
Niemals zuvor konnte man außerhalb Chinas eine solch umfangreiche Präsentation eindrucksvoller und vielgestaltiger Objekte sehen, die von den weit reichenden kulturellen Beziehungen der Bewohner entlang der Seidenstraße zeugen und beweisen, dass die Seidenstraßen keineswegs Einbahnstraßen waren: Einflüsse aus China sind ebenso dokumentiert wie die kulturelle Präsenz westlich-mediterraner, sibirischer und südasiatischer Kulturen.

Die Ausstellung besteht aus ca. 180 Grabungsfunden aus dem Tarimbecken. Darunter befinden sich Keramik- und Metallobjekte, aber auch Holz, Textilien und andere organische Funde, die trotz ihres Alters – das Spektrum reicht von der Bronzezeit bis in die Han-Dynastie des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts – durch ihren außergewöhnlich guten Erhaltungszustand den Ausstellungsbesucher in eindringlicher Form ansprechen. Die Ausstellung zeigt in Europa noch nie präsentierte Funde aus Xinjiang in einem unglaublich guten Erhaltungszustand. Sie vermittelt die Kenntnis von den Lebensformen und deren klimatische und kulturelle Grundlagen am südlichen und nördlichen Verlauf der Seidenstraße rund um das Tarimbecken und stellt die Vielzahl der Kulturen und kultureller Einflüsse im östlichen Zentralasien bis vor 2000 Jahren dar.
Aus diesem Text geht hervor, daß die sensationellsten Funde selbst - nämlich die Wüstenmumien der Tocharer - in der Ausstellung noch nicht zu sehen sein werden. Um diese zu besichtigen, muß man immer noch in das Museum in Ürümchi in Xingjang, China reisen.

Es handelt sich um die zweite Ausstellung zu diesem Thema in Europa. Die erste präsentierte Textilien der tocharischen Wüstenmumien in einem Museum in der Schweiz. Spannend ist an der Tocharern vor allem, daß sie zum einen das östlichste Volk sind, das eine indogermanische (bzw. "indoeuropäische") Sprache spricht - aber überraschenderweise eine west-indogermanische Sprache, die die größte Verwandtschaft zu den indogermanischen Sprachen in Westeuropa aufweist, nicht zu denen etwa im heutigen Indien und Persien. (Man hat tocharische buddhistische Texte in den Oasenstädten gefunden aus der Zeit kurz vor dem Untergang dieses Volkes und dieser Kultur, nachdem sie von den nördlichen Hunnen und den östlich lebenden Chinesen unterworfen worden waren, sowie zum Buddhismus konvertiert waren.)

Ebenso weisen die Textilien der tocharischen Wüstenmumien sehr deutlich nach Mitteleuropa (vor allem die Webarten und die Farben). Die Mumien sind - das weisen auch erhaltene Gen-Reste aus - von europäischem Typus (blond, hochgewachsen, "langnasig"), was sehr auffällig ist in einer geographischen Region, die heute von Han-Chinesen und mongolisch aussehenden Uiguren (wohl den Nachfahren der Tocharer) bewohnt wird.

Es ist hochgradig plausibel, daß ein großteil der Kulturelemente, die mit der Bronzezeit nach China gekommen sind, von den Tocharern dort eingeführt worden sind, darunter sowohl ärztliches Wissen wie auch die Himmelsreligion, nach der die chinesischen Kaiser von dem Grenzgebirge zwischen Chinesen und Tocharern stammen.

Die älteste derzeit bekannte Wüstenmumie ist eine in hohem Alter gestorbene Frau (die "Schöne von Loulan"), eine imposante Dame, die zusammen mit Gebrauchsgegenständen bestattet wurde, die zur Getreideernte notwendig sind (Worfelbrett und anderes). Sie trägt eine Feder auf ihrem Filzhut. Auch zeitlich spätere weibliche Wüstenmumien müssen in ihrem Leben in der Gesellschaft, in der sie lebten, hoch angesehene Persönlichkeiten dargestellt haben, unter anderem markiert durch einen hohen, spitzen Filzhut, wie man ihn aus späterer Zeit von den europäischen Zauberern gewohnt ist.

Möglicherweise kann also auch die Religionsgeschichte des bronzezeitlichen Europa (die spitzen "Goldhüte"!) eher am Westrand Chinas erforscht werden, als im heutigen Europa.

Samstag, 15. September 2007

Wo war die "Schlacht im Teutoburger Wald"?


Eine der größten archäologischen Entdeckungen der letzten beiden Jahrzehnte in Deutschland ist die des Ortes der "Schlacht im Teutoburger Wald" im Jahre 9 n. Ztr.. Wenn man schon viel darüber gelesen hat, wird es Zeit, daß man sich auch einmal vor Ort einen Eindruck von den Forschungsergebnissen verschafft. Hier ist abgebildet ein zentraler Ausschnitt jenes Schlachtfeldes, auf dem eine der bedeutendsten Schlachten der Weltgeschichte stattgefunden hat.

Dieser Ort ist sehr eindrucksvoll. An der Ausstellung und dem Museum, in denen die Forschungsergebnisse präsentiert werden, ist aber noch sehr vieles, wenn nicht alles zu bemängeln. Als den größten Mißerstand muß es wohl erachtet werden, daß immer noch nicht der derzeitige Forschungs- und Wissensstand dargestellt ist, sondern ein Wissensstand, der mindestens um zehn Jahre veraltet ist, und daß auch die reichhaltigen und vielfältigen Funde selbst etwas gar zu summarisch präsentiert werden. Die vielen Erkenntnisse über das hier geschlagene römische Heer, über den strategischen und taktischen Ablauf der Schlacht, sowie zur Einordnung in den allgemeinen Kenntnisstand der römischen Archäologie und Geschichte, die aufgrund der Funde und ihrer Loklisierung möglich sind, werden kaum herausgearbeitet und angemessen präsentiert.

Krieg in der Menschheitsgeschichte

Doch vorher noch einmal allgemeiner und grundsätzlicher zur geschichtlichen und wissenschaftlichen Bedeutung dieses Schlachtfeldes. Auch diese müßte durch eine solche Ausstellung viel klarer dargestellt und eingeordnet werden. Kriegs- und Militärgeschichte sind ein Teil der menschlichen Geschichte. Schon die Schimpansen kennen Kriegführung. Sie verteidigen ihre Gruppenterritorien, wenn andere Schimpansen-Gruppen diese auf Kosten ihrer eigenen ausweiten. Nachdem der Mensch seßhaft geworden ist, bekam die Kriegführung eine ganz neue Bedeutung. Mit der viel größeren Siedlungsdichte ergab sich eine schrittweise Spezialisierung und ein Ausbau der Methoden auch auf diesem Gebiet. Dennoch weiß die Forschung - neuerdings auch mit dem amerikanischen Evolutionären Psychologen und Bestseller-Autor Steven Pinker (siehe frühere St. gen.-Beiträge) - davon zu berichten, daß die Häufigkeit des gewaltsamen Todes insgesamt in der Menschheitsgeschichte seit der Seßhaftwerdung deutlich zurück gegangen ist. In viele Jäger-Sammler-Völkern - etwa auf Papua-Neuguinea oder in Südamerika - war (oder ist) es ganz normal, wenn über die Hälfte der männlichen Bevölkerung eines gewaltsamen Todes starb (bzw. stirbt). Eine solche Rate haben selbst moderne Großstadt-Viertel mit "legendärer" Gewaltbereitschaft - wie etwa die New Yorker Brox - nie erreicht.

Am ehesten noch wird man die Völkermorde des 20. Jahrhunderts damit vergleichen können, etwa den ukrainischen Hunger-Holocaust 1932/33 oder jüngst auch wieder der Völkermord am tschetschenischen Volk. Oft geschieht dies - so wie in diesen beiden Beispielen -, um Unabhängigkeits- und Selbstständigkeits-Bestrebungen von Völkern im Keim zu ersticken.

Die Weltgeschichte hallt wieder von Krieg und Gewalt. Der Aufstieg und Untergang fast aller Großreiche und Hochkulturen derselben ist mit Kriegen und entscheidenden Schlachten verbunden. Kulturen ohne Überlebenswillen wurden von Nachbarkulturen früher oder später durch Gewalt, sowie auch durch friedliche Entwicklungen übernommen. Der Sieg der "demokratischen" Griechen in der Schlacht bei Marathon, mit dem sich diese erfolgreich gegen die Eroberungsgelüste des persischen Großkönigs verteidigten, ermöglichte die kulturelle Entfaltung des klassischen Griechenlands. Dessen kulturelles Erbe wiederum ist grundlegend geworden für die kulturelle, wirtschaftliche und politische Entfaltung des Abendlandes. In gewaltigen Schlachten - wie der berühmten von Canää - wurde später zwischen Karthago und Rom um die Vorherrschaft im Mittelmeer gerungen. Die drei "punischen Kriege" endeten mit der vollständigen Vernichtung der karthagischen Kultur. Das Römische Weltreich breitete sich auch weiterhin mit gewaltigen Schlachten gegen seine Nachbarvölker aus, nachdem es Verteidigungsschlachten etwa gegen die Kelten, sowie Kimbern und Teutonen siegreich bestanden hatte. Cäsar eroberte Gallien. Bürgerkriege erschütterten das Reich im Inneren.

Auch der Untergang des römischen Reiches wurde durch gewaltige Schlachten, vor allem diejenigen der germanischen Völkerwanderung, besiegelt. Letztere wurde ausgelöst dadurch, daß die Goten an der Wolga von der Hunnen militärisch überrannt und unterworfen worden waren. Die Hunnen hatten in vielen Jahrhunderten zuvor die Skythen unterworfen, mit dem chinesischen Reich Krieg geführt, mit den Sogdern und den Persern. Später eroberten die Goten unter Theoderich Italien, noch etwas später unter anderen (westgotischen) Königen Spanien. Die Franken eroberten das vorherige Gallien und gründeten jenes Reich, das bis heute andauert. Das Volk der Goten dagegen ist wenig später sprachlich und kulturell vollständig untergegangen, ein Sachverhalt, den Jacob Grimm auf der ersten Germanisten-Tagung überhaupt 1847 in der Paulskirche hervorhob.

Als die katholische Gegenreformation mit dem Feldherrn Wallenstein den Katholizismus wieder bis an die Küste der Ostsee trug, griff der schwedische König Gustav Adolf in den Krieg ein und fiel wenig später in der berühmten Schlacht von Lützel. Nach 30 Jahren Gemetzel endete dieser Religionskrieg mit einem Unentschieden. Aber von Danzig bis Stettin wurde die Ostsee schließlich doch wieder der "alleinseligmachenden Kirche" eingegliedert: 1945.

Um an entscheidende Kriege und Schlachten des 20. Jahrhunderts zu erinnern, brauchen ja nur wenige Namen genannt werden: Verdun etwa oder Stalingrad.

Forschungen von internationalem Rang

Nun zurück zu einer ebensolchen, entscheidenden Schlacht der Weltgeschichte, der "Schlacht im Teutoburger Wald" im Jahre 9 n. Ztr., jenes Gemetzel, mit dem frei germanische Stämme unter dem Cheruskerfürsten Arminius drei hochgerüstete römische Legionen vernichtend schlugen. Letztere waren an die Werra und an die Weser, ins "freie Germanien", gekommen, um die freien Germanenstämme bis zur Elbe dem römischen Weltreich einzugliedern. Diese Vernichtungsschlacht im Teutoburger Wald war Ausdruck des Überlebenswillens und des Willens zur Eigenständigkeit von Seiten der germanischen Kultur im Angesicht der "Globalisierungs-Bestrebungen" des Römischen Weltreiches.

Jahrhundertelang hat die Forschung intensiv nach dem Ort dieser legendären Schlacht gesucht. Als Ort war in den römischen Quellen ein sogenannter "Teutoburger Wald" genannt worden und infolge von Vermutungen hinsichtlich des Ortes dieser Schlacht heißt nun ein ganzer norddeutscher Gebirgszug "Teutoburger Wald". Zu Unrecht wie wir seit den frühen 1990er Jahren wissen. Die "Schlacht im Teutoburger Wald" fand am Nordrand des Wiehengebirges statt, das darum mit Fug und Recht in "Teutoburger Wald" umbenannt werden sollte. Auch das berühmte Hermannsdenkmal bei Bielefeld steht darum nun erwiesenermaßen am ganz falschen Ort:

Das neu entdeckte Schlachtfeld bei Kalkriese wird immer noch erforscht. Es handelt sich um das größte erforschte Schlachtfeld der Antike überhaupt. Und das, obwohl es außerhalb des Raumes der antiken Kultur liegt! Die Reichhaltigkeit der Münzfunde bei Kalkriese kann nur mit derjenigen von Pompeji verglichen werden - auch in der Zusammensetzung der älltäglichen Benutzung dieses Geldes, das das römische Heer mit sich führte. Und auch in vielerlei anderer Hinsicht hat die Erforschung dieses Schlachtfeldes eine Bedeutung von internationalem Rang.

Der Entdecker, ein damaliger britischer Besatzungsoffizier in Deutschland und Hobbyarchäologe, hat von der britischen Königin persönlich einen Orden verliehen bekommen. Mit Folgerichtigkeit. Schließlich hat sich auch das künftige kulturelle Schicksal des heutigen Großbritannien im Jahre 9 im Teutoburger Wald entschieden - ebenso wie jenes von Deutschland und Frankreich. Die Vorfahren aller drei Völker besiegten im Jahre 9 die Römer und machten damit ihren Anspruch auf weltgeschichtliche Bedeutsamkeit geltend.

Das Schicksal der keltischen und gallischen Stämme, das sich einige Jahrzehnte zuvor vollzogen hatte, stand damals allen Stämmen außerhalb des Römischen Reiches noch lebhaft vor Augen. Die germanischen Stämme wollten es nicht teilen und an ihren eigenen, überkommenen Göttern und Sitten festhalten. Sie wollten keine sprachlich und sonstig "romanisierten" Römer werden. Sie wollten nicht in die Dekadenz des römischen Weltreiches mit hineingezogen werden.

Die folgende Abbildung aus der Ausstellung gibt einen Eindruck von den bis dato unbekannten Wallanlagen, die die Germanen unter ihrem genialen Feldherren Arminius kurz vor der Schlacht an strategisch besonders begünstigter Stelle anlegten, um aus dieser Schlacht wirklich eine echte Einkreisungs- und Vernichtungsschlacht zu machen, wie man sie nicht wesentlich besser von Hanibal bei Canää und von Erich Ludendorff bei Tannenberg 1914 kennt.

Die Größe und das räumliche Ausmaß der rot eingezeichneten, inzwischen schon bekannten Wallanlagen - Grassoden-Mauern an einer Engstelle von wenigen Metern gegenüber einem großen Moor, das weitgehend unbegehbar war damals - wird besonders gut deutlich, wenn man sich klar macht, daß auch die beiden eingezeichneten Gebäude - das neue Museum und das "Eingangsgebäude" ("Gehöft") recht große Gebäude sind. Das obige erste Foto gibt einen Ausschnitt von diesem Areal.

Hier ein Blick nach Norden in Richtung des Kalkrieser Berges (Wiehengebirge), an dessen Nordrand entlang die drei römischen Legionen Richtung Nordwesten nach dem Sommerlager an der Weser im Herbst zum Rhein zurückkehren wollten.

Hier ist das Eingangsgebäude ("Gehöft") mit dem Restaurant (beide noch keine hundert Jahre alt):

Hier ein Beispiel für die allzu summarische Präsentation reichhaltigster Funde:

Auf dieser Abbildung kann man sich die Größe einer einzigen Legion vorstellen:

Von einer solchen wurden drei in der Schlacht vernichtet. Dazu muß man sich noch einen großen "friedensmäßigen" Troß von Händlern und Marketender(inne)n denken. Beispielsweise wurden auch die Knochen eines Maulesels gefunden, der aus dem damaligen Allgäu stammte. Daneben Ärztebesteck, eine große Pionieraxt, die zum Einebnen der Wege und zum Bau von Lagern benutzt wurde, Vermessungsgerät und vieles andere mehr.

Sonntag, 9. September 2007

Eva Herman ...

Provokation ist gut. Aber geht nicht so mancher Schuß nach hinten los? - Wie urteilt das Volk? Bei einer Umfrage von Web.de haben bislang nach dortigen Angaben 21.541 Menschen ihre Stimme abgegeben. Hier das Ergebnis (Web.de):
"Eva Herman's NS-Zitat ist ...
... empörend ------- 46 %
... ein dummes Mißgeschick --------- 20 %
... ganz treffend -------- 34 %."
Diese Umfrage zeigt jedenfalls eine etwas andere Stimmung auf als der allgemeine Tenor der Presse (etwa: Bild).
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